Die BayernSPD hat an diesem Wochenende in Regensburg ein neues Bildungskonzept erarbeitet und beschlossen. Es soll Bildung in Bayern gerechter machen, unabhängig von Herkunft, Einkommen und Wohnort. Am Samstag fand dafür der Bildungskongress „RE:LEARN Bayern“ statt, am Sonntag der Kleine Parteitag „BILDUNG. Gleiche Chancen. Gerechte Zukunft.“
In Bayern hängt der Bildungserfolg eines Kindes noch immer zu stark von seiner Herkunft, dem Geldbeutel der Eltern und dem Wohnort ab. Genau darüber wurde am Samstag im Kolpinghaus Regensburg diskutiert. In Panels, Workshops und offenen Gesprächsformaten brachten sich Fachleute aus Wissenschaft, Gewerkschaften, Verbänden und pädagogischer Praxis ein, um Ideen für eine gerechtere Bildungspolitik zu entwickeln. Die Zahlen zeigen, wie dringend das nötig ist: Zwischen 2020 und 2024 stieg die Zahl der bayerischen Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, um fast 45 Prozent. Bei der PISA-Studie 2022 erreichten Deutschlands Schülerinnen und Schüler in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften die niedrigsten Leistungen seit Beginn der Untersuchung.
Landesvorsitzende Ronja Endres betont, es brauche endlich eine Whatever-it-takes-Mentalität in der Bildung, statt sich ängstlich an die schwarze Null zu klammern. Dafür müsse das nötige Geld bereitgestellt werden, notfalls auch durch neue Schulden.
Am Sonntag hat der Kleine Landesparteitag ein weitreichendes Bildungskonzept beschlossen. Es umfasst die gesamte Bildungskette: von der Kita über Schule, Ausbildung und Hochschule bis zum lebenslangen Lernen. Die Grundlagen dafür hatte der Kongress am Vortag gelegt.
Angesichts der um fast 45 Prozent gestiegenen Zahl junger Menschen, die Bayerns Schulen ohne Abschluss verlassen, erinnert Landesvorsitzender Sebastian Roloff daran: „Hinter jeder dieser Zahlen steht ein junger Mensch, dem wir etwas schuldig geblieben sind.“ Deshalb soll der Ganztag grundlegend umgebaut werden, mit qualifiziertem Personal, multiprofessionellen Teams und Zeit für individuelle Unterstützung. Das Sitzenbleiben soll durch gezielte individuelle Förderung im Klassenverbund ersetzt werden, damit niemand ein ganzes Schuljahr wiederholen muss.
Die Förderung soll sich durch alle Bildungsphasen ziehen. Vorgesehen sind bessere Betreuungsschlüssel in den Kitas, eine gut finanzierte Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher sowie eine finanzielle Absicherung von Ausbildung und Studium, damit niemand aus Geldmangel auf einen Abschluss verzichten muss. Auch digitale Infrastruktur an Bildungs- und Forschungseinrichtungen gehört dazu.
Besonders wichtig sei Ronja Endres die politische Bildung. Demokratie brauche Menschen, die sich einmischen, Verantwortung übernehmen und etwas verändern wollen. Das beginne schon in Kita und Schule.
Am Sonntag beschloss der Kleine Landesparteitag fünf Leitanträge, die das Herzstück des neuen Bildungskonzepts bilden. Sie greifen die zentralen Bildungsbereiche auf, die am Wochenende diskutiert wurden.
Kitas und Grundschulen sind die entscheidenden Phasen für Sprachentwicklung, Basiskompetenzen und Bildungsgerechtigkeit. Der Antrag setzt daher auf Qualität vor Quantität: bessere Betreuungsschlüssel, mehr multiprofessionelle Teams und eine attraktivere Ausbildung für Fachkräfte. In der Grundschule sollen kleinere Klassen, eine pädagogische Assistenz im Klassenzimmer und das Ende des bisherigen Übertrittsverfahrens für mehr Chancengleichheit sorgen.
Die Sekundarstufe soll Talente fördern, statt Defizite zu verwalten. Der Antrag verankert Demokratie als gelebte Praxis im Schulalltag, etwa durch Klassenräte, Schülerparlamente und Beteiligungsbudgets. Außerdem fordert er einen gemeinsamen Ethikunterricht für alle, ein Medien- und KI-Konzept für jede weiterführende Schule sowie multiprofessionelle Bildungszentren.
Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig, daher sollen alle Ausbildungen dieselben Rechte haben. Der Antrag will alle staatlich anerkannten Ausbildungen unter das Berufsbildungsgesetz stellen und die Mindestausbildungsvergütung deutlich anheben. Hinzu kommen Azubiwerke für bezahlbaren Wohnraum, eine umlagefinanzierte Ausbildung für mehr Ausbildungsplätze und wirksamer Schutz vor Mobbing und Diskriminierung.
Demokratie braucht überzeugte Demokratinnen und Demokraten, deshalb soll politische Bildung von der Kita bis ins Erwachsenenalter gestärkt werden. Der Antrag sieht mehr Wochenstunden für Sozialkunde an allen Schularten, eine verpflichtende politische Bildung in der Lehramtsausbildung und einen Anspruch auf fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr vor. Zudem fordert er einen Bayerischen Tag der Demokratie und das Wahlrecht ab 16 Jahren bei Kommunal-, Bezirks- und Landtagswahlen.
Hochschulen sollen allen Menschen offenstehen, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Behinderung. Der Antrag fordert demokratischere Hochschulen mit einer verfassten Studierendenschaft, eine existenzsichernde Studienfinanzierung und Dauerstellen statt Kettenbefristungen. Zudem sollen Zugangswege für beruflich Qualifizierte verbessert, Studiengänge für Jura und Lehramt modularisiert und eine öffentliche digitale Wissenschaftsinfrastruktur aufgebaut werden.
Neben den fünf Leitanträgen wurden auf dem Kleinen Landesparteitag zahlreiche weitere Anträge beschlossen, welche sich im Beschlussbuch finden lassen:
Beschlussbuch Kleiner Landesparteitag 2026
Die Beschlüsse sind der Auftrag, Bildungsgerechtigkeit in Bayern Wirklichkeit werden zu lassen. Die BayernSPD bleibt dran, in den Städten und Gemeinden, im Landtag und in den Ortsvereinen.