Auf ihrem heutigen Parteitag in Regensburg hat die BayernSPD ein weitreichendes Bildungskonzept beschlossen – von der Kita über Schule, Ausbildung und Hochschule bis zum lebenslangen Lernen. Die Grundlagen dafür wurden am Vortag auf einem Bildungskongress gemeinsam mit Fachleuten aus Wissenschaft, Gewerkschaften, Verbänden und pädagogischer Praxis erarbeitet.
„Wir brauchen eine Whatever-it-takes-Mentalität in der Bildung. An einzelnen Stellschrauben zu drehen reicht nicht mehr. Jeder Mensch muss seine Fähigkeiten entfalten können – unabhängig von Elternhaus, Einkommen oder Wohnort. Dafür müssen wir die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen. Gerechte Bildung in Bayern darf nicht an der schwarzen Null scheitern“, sagt die Landesvorsitzende Ronja Endres.
Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf an den Schulen: Die katastrophalen Ergebnisse der PISA-Studie und vor allem die zwischen 2020 und 2024 um mehr als 44 Prozent gestiegene Zahl junger Menschen, die Bayerns Schulen ohne Abschluss verlassen, verlangen einen grundlegenden Kurswechsel. „Hinter jeder dieser Zahlen steht ein junger Mensch, dem wir etwas schuldig geblieben sind“, sagt der Landesvorsitzende Sebastian Roloff.
Ein Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit ist für die BayernSPD ein grundlegend veränderter Ganztag. Dafür braucht es qualifiziertes Personal, multiprofessionelle Teams und Zeit für individuelle Unterstützung.
„Lernen, Üben und individuelle Förderung gehören in den Schulalltag. Ob ein Kind den Stoff versteht, darf nicht davon abhängen, ob seine Eltern nachmittags Aufgaben erklären oder Nachhilfe bezahlen können. Dafür müssen wir den Ganztag grundlegend umbauen: mit Zeit, Dinge noch einmal zu erklären, Schwierigkeiten zu überwinden und Stärken zu entwickeln. Und danach muss Schluss sein: Auch Kinder brauchen Feierabend – Zeit für Freunde, Familie und eigene Interessen“, erklärt Roloff.
Die BayernSPD will das Sitzenbleiben durch gezielte individuelle Förderung im Klassenverbund ersetzen. Wer in einzelnen Fächern Schwierigkeiten hat, soll dort Unterstützung erhalten und aufholen können, ohne ein ganzes Schuljahr wiederholen zu müssen.
Der Anspruch auf gleiche Chancen zieht sich durch alle Bildungsphasen. Dazu gehören für die BayernSPD gute Kitas mit deutlich besseren Betreuungsschlüsseln und einer attraktiven, gut finanzierten Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher. Hinzu kommen gute Ausbildungsbedingungen und bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende ebenso wie ein Studium und Weiterbildung, die allen offenstehen.
Einen besonderen Schwerpunkt legt die Partei auf die politische Bildung: Eine Demokratie, die zunehmend unter Druck gerät, braucht Menschen, die sie aktiv mitgestalten und verteidigen.
„Demokratie braucht Menschen, die sich einmischen, Verantwortung übernehmen und etwas verändern wollen. Das beginnt schon in der Kita und in der Schule. Kinder müssen dort mitentscheiden und erleben, dass ihre Stimme zählt“, sagt Endres. „Wer Demokratie nur aus dem Schulbuch kennt, kann sie auch nicht mit Leben füllen.“