Mehr Zeit für Bildung - Entschleunigung statt Stress

01. Juli 2014

Mehr Zeit für Bildung – Dafür kämpft die BayernSPD. Neun statt acht Jahre soll das Gymnasium künftig dauern. So steht es im Gesetzentwurf der SPD-Landtagsfraktion, der nun in den Landtag eingebracht wird. Der SPD-Bildungsexperte, Martin Güll, dazu:

„Die CSU weigert sich, das Gymnasium inhaltlich so aufzustellen, um das Abitur vernünftig in acht Jahren machen zu können.“ In der jetzigen Form führe das G8 zu einer hohen Belastung ausgerechnet in der Mittelstufe, wenn die Schüler sich in der Pubertät befinden. „Jeder Lernforscher würde sagen: 'Ihr seid wohl nicht ganz dicht'“, warnt Güll mit Blick auf kritische Bemerkungen aus der pädagogischen Forschung.

Das G9, für das die BayernSPD in ihrem Gesetzentwurf eintritt, sieht deshalb nicht mehr als 30 Wochenstunden an Pflichtunterricht vor. Zu diesem Zweck müssten die Lehrpläne nicht entrümpelt, aber modernisiert werden, die Unterrichtmethoden angepasst und die Verteilung der Stunden auf die einzelnen Fächer überdacht werden. Insbesondere Buben sollen von einer Entschleunigung des Gymnasiums profitieren:

„Jungen sind die Verlierer im G8. Sie bleiben häufiger sitzen und wechseln häufiger an Realschulen und Mittelschulen“, heißt es unter Punkt A des Gesetzentwurfs, der die Gefahren einer achtjährigen Gymnasialzeit aufzeigt. Das Konzept der SPD deckt sich weitgehend mit den Vorstellungen des bayerischen Philologenverbandes, der ebenfalls die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums fordert. Genau wie die Philologen ist auch die SPD-Fraktion der Meinung, dass begabte Schüler nach wie vor die Möglichkeit haben sollten, das Abitur bereits nach acht Jahren abzulegen.

„Für Schüler, die es schneller können, müssen intelligente Lösungen gefunden werden“, fordert Güll. Dabei sollen die betreffenden Schüler stärker als bisher von der Schule unterstützt werden, wenn sie beispielsweise eine Jahrgangsstufe in der Unter- oder Mittelstufe überspringen wollen.

Grundsätzlich festhalten will die SPD-Landtagsfraktion auch an einer verkürzten Laufzeit in einem Ganztagsgymnasium mit einem entsprechenden pädagogischen Konzept. Auch die Idee einer flexiblen Oberstufe als „Beschleunigungsmöglichkeit“ müsse weiter verfolgt und von der Kultusministerkonferenz ermöglicht werden, fordert der SPD-Bildungsexperte. „Mehr noch als auf die Laufzeit des Gymnasiums wird es aber auf die inhaltliche Neukonzeption ankommen“, betont der Vorsitzende des Bildungsausschusses. Diese inhaltlichen Details des künftigen G9 sollten fraktionsübergreifend erarbeitet werden.

Das Konzept der Freien Wähler, das dem aktuellen Volksbegehren zugrunde liegt, stößt in allen anderen Landtagsparteien auf Ablehnung. SPD-Bildungssprecher Güll ruft deshalb zu einer gemeinsamen Lösung auf: „Springen wir über unseren Schatten und lösen wir das Problem gemeinsam.“

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