ATU-Beschäftigte sind Opfer der Heuschrecken
03.08.2008
Zu den Entlassungen der ATU-Werkstattkette erklärt der Landesvorsitzende der BayernSPD, Ludwig Stiegler, MdB:
"ATU war eine Erfolgsgeschichte – bis die Heuschrecken kamen.
Sie haben das Unternehmen auf Pump gekauft und dem Unternehmen, also faktisch den Beschäftigten, Zins und Tilgung aufgeladen.
Bei einer vernünftigen Struktur zwischen Fremd- und Eigenkapital hätte die Kette den Wandel in der Nachfrage locker weggesteckt. Wer aber die Wahnsinnsschulden abzutragen hat, die die Heuschrecken dem Unternehmen aufgebürdet haben, kommt bei dem geringsten Gegenwind in Atemnot. Hier wie bei Hertie zeigt sich, dass das Geschäftsmodell der Heuschrecken nicht nachhaltig ist. Es mag sich kurze Zeit halten, solange die Konjunktur läuft und die Kapital- und Finanzmärkte liquide sind. Jetzt liegen die Finanzquellen der Heuschrecken aber weitgehend trocken, weil ihnen niemand mehr traut. Das müssen jetzt die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer büßen, die dafür am wenigsten können.
Es wird höchste Zeit, Vorkehrungen zu treffen, die verhindern, dass die von Heuschrecken gekauften Unternehmen mit den Kaufschulden belastet werden und damit das Insolvenzrisiko tragen. Diese Risiken sollten auf die Banken und Finanzinvestoren zurückkehren, von denen sie gekommen sind.
Es wird aber auch Zeit, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die bei ATU beschäftigt sind, sich besinnen, der IG Metall zuwenden und überall Betriebsräte gründen. Jetzt zeigt sich, dass die Erfahrung mit einer früheren patriarchalischen Praxis eines persönlich anständigen Unternehmers nicht auf die Heuschrecken mit ihrer ungezügelten Profitgier übertragen werden kann. Nur mit starken Betriebsrätinnen und Betriebsräten und einer starken IG-Metall kann den Heuschrecken die Stirn geboten werden. Es ist noch nicht zu spät."
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