Weg mit dem Betreuungsgeld!

Ab 2013 sollen Eltern, die ihre Kinder in den eigenen vier Wänden erziehen, monatlich 150 Euro erhalten. Das ist der Plan, den die CSU bereits seit zwei Jahren verfolgt und der jetzt im schwarz-gelben Koalitionsvertrag steht. Der Hintergedanke dieser „Herdprämie“ ist simpel: die CSU will den Trend zur Kita bremsen und die eigene Klientel beruhigen, welche Kindertagesstätten als „sozialistische Spinnerein“ abtun. Und: Frauen sollen gefälligst zu Hause bei den Kindern bleiben.

Unsere Meinung: Egal ob Bargeld oder Gutscheine - das Modell ist grundsätzlich falsch. Erstens, weil das Geld dringend für den Ausbau von Kinderkrippen und für die Entlohnung der ErzieherInnen benötigt wird. Zweitens, weil es Anreize für sozial benachteiligte Schichten bietet, ihre Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken, sondern zu Hause zu behalten. Gerade für diese Kinder wäre es aber besonders wichtig, keine Bildungschancen zu verlieren – denn Bildung (v.a. das Erlernen der deutsche Sprache!) beginnt eben bei den Kleinen! Und schließlich ist eine solche Prämie sozial völlig ungerecht. Denn gerade diejenigen Eltern, bei welchen es sich ein Teil leisten könnte zu Hause zu bleiben, haben die 150 Euro pro Monat nicht nötig. Im Gegenteil dazu müssen berufstätige Eltern, die auf zwei Verdienste angewiesen sind, auch noch viel Geld für eine Kinderkrippe zahlen.

Was halten Sie vom Betreuungsgeld? Sagen Sie uns Ihre Meinung!

Georg Werther14.12.2009, 16:26 Uhr

Das ist alles gut und schön. Aber Sie müssen mir schon erklären, inwiefern das von Ihnen mitbeschlossene Elterngeld dem Wesen nach etwas Anderes sein soll als das von Ihnen als "Herdprämie" verteufelte Betreuungsgeld. Dem Wesen des Elterngelds zufolge bekommen gut verdienende Eltern bis zu 20.000 Euro im Jahr aus Steuergeldern, während die Einkommensschwachen mit nicht einmal 4000 Euro abgespeist werden.

Fazit: Das Elterngeld ist eine "Wurfprämie" für Reiche und: wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Hamidi12.02.2010, 11:01 Uhr

Der Unterschied zwischen Elterngeld (Geld direkt nach Geburt des Kindes) und Betreuungsgeld ist meiner Meinung nach erheblich.

Das Elterngeld bekommt jeder der sein Kind in den ersten Jahren selbst erzielt und deswegen nicht voll erwerbstätig sein kann. Es dient also als Lohnersatz! Schließlich soll keiner auf die Erziehung seiner Kinder verzichten - oder gar vollständig auf eigene Kinder verzichten - nur weil sonst das Geld knapp wird. Ob es sozial gerecht ist, dass sich die Höhe des Elterngeldes nach dem Einkommen richtet, also wie beim Arbeitslosengeld, ist eine andere Frage.

Das Betreuungsgeld hingegen bekommt, wer sein Kind NICHT in eine staatlich geförderte Betreuungsstätte gibt.

  1. den "gut-Verdienenden" ist das egal, denn sie können sich einen Betreuungsplatz locker leisten und werden wegen gerade mal 150 € nicht auf einen Betreuung - und damit aus Elternsicht, eine gute Entwicklung ihrer Kinder - verzichten. Wenn sie ihre Kinder nicht in eine Kindertagesstätte schicken, dann nicht wegen der Prämie sondern weil sie es von vornherein nicht vorhatten.

  2. Bei "weniger gut Verdienenden" hingegen, machen 150 Euro im Monat sehr viel aus. Ich kann mir bspw. nicht vorstellen das Eltern die ein nicht sehr viel höheres Einkommen als H IV haben, auf dieses zusätzliches Einkommen verzichten werden. Damit wird ein weiteres Instrument geschaffen die die Entwicklung von Kinder aus "armen Verhältnissen" benachteiligt . Ob es nachteilig für ein Kind ist nicht regelmäßig Zeit in einer Kindertagesstätte verbracht weiß ich nicht, da gehen die Meinungen wohl weit auseinander. Aber wichtig ist, das Menschen bei denen das Geld knapp ist, mal wieder nicht die gleichen Chancen haben wie andere.

Was mich darüber hinaus noch nervt ist diese kalte und gewissenlose Kalkulation die vermutlich hinter diesem Modell steckt. Ich weiß zwar nicht was der Staat pro Kindertagesstättenplatz ausgibt, aber ich würde wetten das es deutlich mehr als 150 Euro im Monat sind.

Eine generelle und deutliche Erhöhung des Kindergelds macht da mehr Sinn.

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