Bayern braucht bessere Bildung!

Die Zahlen belegen: Den bayerischen Hauptschulen laufen die Schüler davon. Als Folge versucht die Staatsregierung mit Einführung der Mittelschule, also der Neuetikettierung einer Schulart, und der Idee der Schulverbünde die Hauptschulen vor allem ihre Standorte im ländlichen Raum retten zu können. Doch die eigentliche Ursache des Übels packt man leider nicht an: das dreigliedrige Schulsystem. In einem gegliederten Schulsystem, wie wir es in Bayern in extrem ausgeprägter Weise haben, wird immer nach dem höchsten Abschluss gestrebt. Das ist den Eltern nicht vorzuwerfen, sie haben die Warnsignale aus Wirtschaft und Gesellschaft deutlich vor Augen, eine echte Chance im späteren Leben sei für ihre Kinder nur mit dem besten Schulabschluss gegeben. Egal, welche Begabungen das eigene Kind hat oder nicht hat: das Abitur muss her.

Gelingt dieser „Königsweg“ nicht, wird in jedem Fall die zweite Säule im bayerischen Schulsystem angestrebt, also die Mittlere Reife via Realschule. „Kein Wunder“, so der Bildungsexperte der SPD-Landtagsfraktion Martin Güll, „dass die Eltern in ihrem Entscheidungsprozess die dritte Säule, die Hauptschule, in überwiegender Zahl überhaupt nicht mehr als gangbare Alternative wahrnehmen, obwohl gerade in der Hauptschule beste Arbeit für die Schüler gemacht und auch ein ansprechender Teil zum mittleren Schulabschluss geführt wird.“ Keine Nachhilfestunde, keine Motivationsspritze ist zu teuer. Außer man kann es sich nicht leisten – in keinem anderen Bundesland hängt schulische Ausbildung von sozialer Herkunft so stark ab als in Bayern.

Nun steht die Staatsregierung vor einem Scherbenhaufen, wieder einmal. Allein in den letzten 9 Jahren seit Beginn der Einführung der R6 wurden 625 Hauptschulen geschlossen. Nun sind aktuell 300 weitere Hauptschulen akut bedroht.

Die BayernSPD stellt nun das Gesamtsystem auf den Prüfstand. Auf Grundlage des unter Leitung von Hans-Ulrich Pfaffmann in der Landtagsfraktion erarbeiteten Positionspapieres „Keiner darf verloren gehen! Gleiche Bildungschancen für alle.“ wird der Landesverband – neben zahlreichen weiteren Positionen - ein neues Schulsystem diskutieren; dies in zahlreichen Veranstaltungen, die demnächst auch in Eurem Bezirk stattfinden werden. Die Ergebnisse der Debatte werden auf dem Kleinen Parteitag (Landesparteirat) am 8. Mai in Bayreuth in ein bildungspolitisches Programm münden.

Um in der bildungspolitischen Debatte in die Offensive zu kommen und die bayerischen Bürger für unsere Lösungen zu gewinnen, strebt die BayernSPD ein Bildungskonzept an, das allen Menschen Chancen zur optimalen Entwicklung ihrer Fähigkeiten gibt und die nötigen Qualifikationen für die Arbeitswelt von morgen schafft.

Der Leitantrag des Landesvorstandes der BayernSPD zum Bildungsparteitag am 8. Mai 2010

Helga Seidemann26.03.2010, 13:34 Uhr

Wer darf an diesem kleinen Parteitag teilnehmen?

Ursula walther26.03.2010, 16:09 Uhr

Sie schreiben: "In keinem anderen Bundesland hängt schulische Ausbildung von sozialer Herkunft so stark ab als in Bayern." Abgesehen davon, dass es "wie" statt "als" heißen müsste - kein bayerisches Abi, oder?;-) - womit belegen Sie diese Behauptung? In den Pisa-Berichten steht es anders.

Marion Beck30.03.2010, 14:54 Uhr

Ich würde gerne in dem Leitantrag eine gesetzliche Elternvertretung auf Landesebene formuliert sehen.

Außerdem möchte ich mehr die Familie als kleinste soziale Einheit stärken als Ganztagsschulen schon im Primarschulbereich zu installieren. Gerade auf dem Land werden wir mit einer Pflichtschule, die i.d.R. als Ganztagsschule organisiert ist, die Eltern nicht gewinnen können!

Auf der Bildungskonferenz in Nürnberg wurde von einem Genossen angesprochen, die Vorschule evtl. in die Schule zu verlegen. Davon möchte ich dringend abraten. Ich habe große Befürchtungen, dass der Übergang KiGa - Schule immer früher und unsanfter vonstatten gehen wird. Schon heute messen sich manche KiGa-Leitungen untereinander mit den Vorschulerfolgen der Kinder und vermitteln den Eltern auch noch, dass das so sein muss. Ich befürchte, dass dann einige Leitungen noch ein Jahr früher ihre Kinder auf die "Vorschule in der Schule" trimmen. Ich appeliere an eine bessere Ausbildung des Personals in den Kitas und an Bildungsstandards in diesem Bereich. Allenfalls einer Änderung der Vorschule im KiGa, wo die Lehrer in die Kitas kommen, könnte ich etwas abgewinnen.

Meine feste Überzeugung ist auch, dass in dem Leitantrag stehen muss, dass Bildung nicht mehr Ländersache ist.

Marion Beck

Sebastian Geiger05.04.2010, 15:49 Uhr

@Ursula: Das sind wissenschaftliche Erhebungen.

Die Chance von Kindern aus der Oberschicht, im Gegensatz zu Kindern aus der Unterschicht auf dem Gymnasium zu sein, bei gleichen Lese- und Mathekompetenzen (2003), erreicht in Bayern mit 6,7 den höchsten Wert aller Bundesländer.

Siehe: http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung082009_Helbig.pdf Seite 3 (Tabelle) - letzte Zeile...

Armin05.04.2010, 19:21 Uhr

An den drei Säulen kann ich im Grunde nichts schlechteres oder besseres erkennen als es die Gesamtschule zu bieten hat. Lediglich den Termin der Aufsplittung sollte man auf die 6. Klasse verlegen. Allerdings gibt es auch Schüler, die deutlich mehr Wissen einfordern. Denen könnte man einen früheren Eintritt in spezielle Klassen ermöglichen, zu denen dann später die anderen dazustoßen, oder die weiter als Einheit fortgeführt werden. Die Durchlässigkeit muss einfacher und sachlicher passieren. In beide Richtungen darf und soll ein permanenter Austausch passieren, so dass eine "Herabstufung" für die Kinder nicht als negativ, sondern lediglich als Verlagerung gewertet wird. Gut wäre es auch - falls so etwas überhaupt zu strukturieren ist - fächerabhängig einzuteilen. Ein mathematisch begabtes Kind könnte dann in naturwissenschaftlichen Fächern ins Gymnasium, in sprachlichen Fächern in die Hauptschule gehen. Erst später entscheidet sich dann, ob das Kind ein Fachabitur oder eine allgemeine Hochschulreife erlangt werden soll.

Helga Seidemann06.04.2010, 11:29 Uhr

Es ist an der Zeit, endlich die Gesamtschule einzuführen. Ich halte es für sehr wichtig, dass Kinder längere Zeit gemeinsam die Schule besuchen. Die frühe Auslese schadet den Kindern. Durch den Stress schon in der Grundschüle sind Kinder eingespannt wie kleine Erwachsene, dürfen keine Kinder mehr sein. Mehr Lehrer brauchen wir, damit auch schwächere Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund optimal gefördert werden können.

Ursula Walther07.04.2010, 12:57 Uhr

@Sebastian G.: Sie haben Recht, wenn Sie sich auf den Besuch des Gymnasiums beschränken. Ich dachte allerdings an die Kompetenz, die ein Jugendlicher erwirbt - ist ja nicht unbedingt dasselbe. Dazu heißt es im Ländervergleich zu PISA 2008: "Ein sehr enger Zusammenhang zwischen Herkunft und Kompetenzniveau ist hingegen in Hamburg und Berlin festzustellen." Bayern kommt da erst an dritter Stelle. Ich würde mir wünschen, dass auch Gegner der bayerischen Schulpolitik - zu denen ich zweifellos gehöre! - gelegentlich aktuellere Untersuchungen zur Kenntnis nähmen, auch wenn sie nicht so gut zum eigenen Weltbild passen. Das erweckt Vertrauen beim Bürger und vor allem bei der Bürgerin.

Rainer Glaab - BayernSPD13.04.2010, 13:16 Uhr

@Helga Seidemann: Es darf jeder und jede als Gast den Kleinen Landesparteitag besuchen. Den Einladungsflyer finden Sie hier: http://byspd.de/31

Norbert Dumler13.05.2010, 17:40 Uhr

Das ist es was ich an Christa Naaß geschrieben habe. Gerne sende ich diesen Kommentar zu dem Thema Bildung auch an Sie.

Liebe Christa,

vielen Dank für Deine unermüdliche Bereitschaft beständig und nachhaltig durch Deinen Abgeordnetenbrief uns zu informieren. Es ist für mich die helle Freude zu erleben mit welchem bewundernswerten Willen und mit welcher schier unerschöpflichen Energie Du dich einbringst. Ich bin begeistert.

Ganz besonders gefällt mir die saubere Struktur und die Auflistung der "Links" am Ende Deines Briefes, sehr hilfreich.

Vielleicht kannst Du durch Michael Gowin anregen, dass auch die Mandatsträger wie z.Bsp. Martin Porzner und die Verantwortlichen in den verschiedenen Funktionen wie Reiner Seeger, Helga Koc h, Michael Rehbogen usw. diese Links bei jeglichen Informationsbriefen mit angeben können.

Zu den Themen möchte ich folgende Anregungen, Gedanken und Hinweise mitteilen:

1.Für mich ist das Thema Bildung auf Landesebene die erste Priorität.

Deshalb sehr gut dass dieses Thema permanent ohne Unterbrechung aufgegriffen und aktiv bearbeitet wird.

Bildung im engeren Sinne ist jedoch zu wenig. Es geht um Bildung, Erziehung und das Begleiten des Nachwuchses, unserer Kinder , Jugendlichen und Jugend als ganzheitliche Aufgabe von der Schwangerschaft bis hin zu dem Tag an dem sie Ihre Selbstständigkeit erreichen.

Diese Aufgabe ist bereits sehr komplex und kann nicht mehr mit Strukturen die im wesentlichen nach dem 2ten Weltkrieg festgelegt wurden erfüllt werden. Es ist auch nicht nur die Aufgabe des/der Einzelnen oder des Ehepaares, es ist die Aufgabe der Mütter, Väter, Ehepaare, Lebensgefährten, Familien, Großfamilien, des gesamten Umfeldes und des ganzen Dorfes.

Ich bin mir sicher es gibt viele Erwachsene die diese Verantwortlichkeit mit übernehmen wollen und auch können, aber der Nachwuchs ist nicht zu sehen, der Nachwuchs sitzt viel zu oft in den eigenen vier Wänden und die in unserer Gesellschaft, die Erziehungsverantwortung ausführen wollen, haben keinen Kontakt um das zu tun.

Deshalb ist es schon rein physisch notwendig die Strukturen zu schafen um viele Kontakte in der gesamten Gesellschaft zu ermöglichen und zwar in der realen Welt, von der Schwangerschaft beginnend bis hin zum Antritt des eigenen selbstständigen Lebens. Über PC in der virtuellen Welt im eigenen Zimmer das passiert sowieso ist aber nicht ausreichend.

Ein wichtiger Baustein dazu bezüglich Strukturen sind natürlich Ganztagsschulen. Das reicht jedoch nicht aus. Ganzheitlich betrachtet beginnt die erzieherische Aufgabe und Bildung wesentlich f rüher. Beispielsweise in der vorschulischen Erziehung brauchen wir vielfältige Arten von Kindergärten, eine Art davon bevorzuge ich ganz besonders, die Waldkindergärten einen davon gibt es in Ansbach, Alleine das ist schon ein großes Thema, das sich lohnen würde genauer zu betrachten. Der Vorteil der Waldkindergärten ist dass wenig Investitionen in Gebäude notwendig sind.Waldkindergärten brauchen natürlich wie andere Kindergärten auch, besonders gutes und qualifiziertes Personal und bietet zusätzlich noch die ganze Vielfalt der Natur kosternlos. In den noch früheren Lebensphasen unseres Nachwuchses sind Organisationsformen für werdende Mütter, Mütter älterer Kinder, Renterinnen die solche Aufgaben schon erfahren haben und Mütter mit Babies Mangelware, Vielleicht lässt sich ein Waldkindergarten und ein Müttertreff kombinieren.

Strukturen alleine wäre zu kurz gegriffen. Parallel brauchen wir ausreichend Personal und zwar die Besten. Wir brauchen exzellente Qualifikationen. Wir brauchen Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerrinnen und Lehrer, die auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse insbesondere der Neurobiologie, aber auch der Pädagogik und der Erziehungswissenschaften ausgebildet sind.. Kurz gefasst es geht um die Qualität der Erzieher und Ausbilder und da brauchen wir die Besten und davon in ausreichender Anzahl.

Jeder Bundesligatrainer mit ca 20Spielern hat einen Assistenztrainer, die sich gegenseitig feedback geben und reflektieren können. Wir haben immer noch Klassen mit 25 bis 32 Schülern und lassen es zu dass eine Person all die Aufgaben erledigen soll. Die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen reicht nicht aus, um jeden einzelnen Schüler in seiner Einzigartigkeit zu erkennen und zu fördern. Jede Klasse braucht mindestens 2Personen die diese Aufgabe übernehmen und im Team miteinander im regelmäßigen Gedankenaustausch darüber reflektieren die Fähigkeiten des Nachwuchses optimal voranzubringen.

Jetzt kommt natürlich gleich das Totschlagargument wer soll das bezahlen? Ich kann dazu nur feststellen, dass Deutschland sicherlich eines der reichsten Länder der Welt ist und Bayern insbesondere, seit Jahren damit prahlt wie toll die bayerische Wirtschaft im Vergleich zu den anderen Ländern da steht. Wenn Bayern und Deutschland sich eine exzellente Ausbildung und Erziehung nicht leisten kann welcher Staaat denn dann? Ich bin überzeugt Geld ist genug da, es ist nur die Frage wofür es ausgegeben wird. Das ist die Entscheidung der Politik. Und da brauchen wir in der SPD eine mutige Politik.

Das muss zur Kernkompetenz der SPD gehören und dieser Kern darf unter keinen Umständen aufgegeben werden. Nicht um der Macht willen in diesem Falle ist ...Opposition kein Mist...: Es ist eindeutig über die vergangenen 12Jahre nachgewiesen die Kernkompetenz ist ein Teil der Identität. Und wer seine Identität aufgibt verliert.

Gibt man diese auf verlieren die Menschen den Glauben an diese Organisation und suchen sich eine andere und was noch viel schlimmer ist es gibt Raum für neue Organisationen wie die Linken, die Freien Wähler und die Grünen. Das darf der SPD nie mehr passieren. Und deshalb ist es so wichtig dass die SPD zur lernenden Organisation wird und bleibt. Und deshalb kann ich auch Herrn Pronolds Aussage in dem Interview Bayernvorwärts extra Frage 3 nicht zustimmen...."Wir müssen mehr mit den menschen reden und uns weniger mit uns selber beschäftigen."....Besser wäre: Wir müssen uns mit uns selber beschäftigen damit wir mehr mit den Menschen reden können. Beides ist notwendig. Und dazu ist es notwendig eine klare Strategie zu erarbeiten, wie bereits mehrmals angesprochen. Und das erarbeiten dieser Strategie ist die aller allererste Verantwortlichkeit der Führung nämlich für Herrn Pronold in Bayern und für Herrn Gabriel im Bund. Ein Teil in solch einer Strategiearbeit ist natürlich die Frage zu beantworten, welches sind die Schwächen und welches die Stärken der SPD. Nun wurde von Herrn Schurer in der letzten UB_BWK Veranstaltung in Gunzenhausen und im Bayernvorwärts extra eine dieser Schwächen dargestellt nämlich die Finanzen im Vergleich zur CSU: Verstehe ich das hilft die Mitglieder zu überzeugen, dass wir die Mitgliedsbeiträge erhöhen müssen, werde ich voll unterstützen. Ich hätte noch einen draufgesetzt wir in Bayern mit unserem durchschnittlichen Einkommen im Vergleich zu Mecklenburg Vorpommern sollten mindestens die gleiche Beitragshöhe von ca. 13,- € im Durchschnitt erreichen.

Das reicht aber nicht. Wo sind unsere Stärken? Wo ist die SWOT Analyse im Vergleich zu CSU, Linke, Grünen, FDP, Freie Wähler, Nichtwähler, CDU? Da fehlen noch die klaren Botschaften als Ergebnis einer schlüssigen Strategiearbeit auf Bundes und Landesebene.

Wäre solch eine Strategiearbeit verfügbar, dann könntest auch Du liebe Christa in Deinen Briefen noch zielgenauer, präziser und unumstösslicher argumentieren. Was ich damit meine ist die Frage wer sind die Kunden der SPD und was ist für diese Kunden wichtig.

Diese Zielgruppen müssen in der Strategie genannt, identifiziert und beschrieben sein damit man bei den einzelnen Themen sauber und klar ,von der Zielgruppe wahrnehmbar, den besonderen Nutzen darstellen und kommunizieren kann.

Es ist richtig sich auf die wenigen wichtigen Themen und dazu gehört Bildung und Erziehung für die Landes SPD, zu konzentrieren. Exzellent wäre es, wenn man auf der Basis der Strategiearbeit und der priorisierten Zielgruppen, zu dem Themenkomplex Bildung und Erziehung die Forderungen der SPD benennt und den Nutzen der verschiedenen Zielgruppen so darstellt und kommuniziert, dass dieser Nutzen für die Zielgruppen wahrnehmbar ist und wahrgenommen wird.

Bis zum Nächstenmal.

Herzlichst

N. Dumler

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