Vor 90 Jahren: Kurt Eisner rief den Freistaat aus

Porträt Kurt Eisner

Donnerstag, 6. November 2008

In seinem Aufruf, der in den Münchener Neuesten Nachrichten abgedruckt wurde, wandte sich Kurt Eisner vor 90 Jahren - in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 - "An die Bevölkerung Münchens!" und verkündete die Abschaffung der Monarchie. "Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!", hieß es in einem Flugblatt, das in dieser Nacht und in den folgenden Tagen in München verteilt wurde.

Massenstreiks der kriegsmüden Bevölkerung, die Eisner mitorganisiert hatte, waren dem vorausgegangen sowie eine Friedensdemonstration mit über 100 000 Bürgerinnen und Bürgern auf der Münchner Theresienwiese. Auch war Eisner schneller: Die Republik in Bayern ist einen Tag älter als die im Rest des Landes, da Philipp Scheidemann am 9. November in Berlin auf dem Balkon des Reichstages stand.

Nach der Ausrufung des Freistaats wurde Kurt Eisner der erste Ministerpräsident von Bayern. In seiner rund 100-tägigen Amtszeit führte er Bayern in die Demokratie: Als erstes führte er das Wahlrecht für Frauen und den Acht-Stunden-Tag ein. Und setzte sein Leben aufs Spiel: Am 21. Februar 1919 wurde er von dem völkisch-nationalistischen Leutnant Anton Graf Arco-Valley ermordet.

Dieses erste Kapitel der Demokratie in Bayern ist der Staatsregierung ein Dorn im Auge. Kurt Eisner und sein 100-Tage-Kabinett will sie verdrängen. Denn an ihn erinnert gerade mal eine Bodenplatte in München, die leicht zu übersehen ist. In ihrer Denkmalkultur knüpft die Staatsregierung lieber an Könige und Grafen an. Erst jetzt - 90 Jahre später - ist ein sichtbares Denkmal geplant.

Die Bayerische SPD-Landesgruppe im Deutschen Bundestag wird Kurt Eisner gedenken und das Jubiläum feiern: Am 12. November veranstaltet sie in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin ihre alljährliche Freistaatsfeier. Dieses Mal feiert sie mit Christian Ude, Oberbürgermeister von München, 90 Jahre Freistaat Bayern.

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