Umweltsprecher Wörner sieht in längeren Atomlaufzeiten erhebliches Sprengpotential

Portraitfoto von Ludwig Wörner

Dienstag, 30. März 2010

Die von CDU, CSU und FDP geplante Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke um 28 Jahre birgt in den Augen des umwelt- und energiepolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, ein „erhebliches Sprengpotential" in sich. „Das ist der falsche Weg – unsere Gesellschaft braucht kein neues Wackersdorf", warnte Wörner vor dem in den kommenden Wochen und Monaten weiter wachsenden Protestpotential. „Die rot-grüne Bundesregierung hatte mit dem Atomausstieg seinerzeit einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Konflikt befriedet. Die CSU hingegen betreibt mit ihrer Atompolitik eine gesellschaftliche Spaltung."

Bei einem Pressegespräch im Landtag erläuterte Wörner, was eine Gesamtlaufzeit von 60 Jahren pro Reaktor bedeuten würde und verurteilte, dass auch die Bayerische Staatsregierung – allen voran Umweltminister Söder – sich vehement für längere Laufzeiten der bayerischen Kernkraftwerke ausspreche. "Die Reaktoren wurden nicht für eine Laufzeit von 60 Jahren konzipiert. Aufgrund von Korrosion und Materialermüdung steigt das Risiko eines Reaktorunfalls mit zunehmender Betriebsdauer." Trotz Nachrüstungen können alte Reaktoren, wie z.B. Isar I, aufgrund konstruktionstechnischer Mängel (Kastenform statt Kuppelform, unterschiedliche Wanddichten der Reaktordruckbehälter) niemals so sicher sein wie neuere.

Nachdem nach Auskunft des Bundesamtes für Strahlenschutz pro Jahr allein in den fünf bayerischen Reaktoren insgesamt rund 140 Tonnen hochradioaktive abgebrannte Brennelemente plus jährlich etwa 300 Kubikmeter radioaktive Betriebsabfälle anfallen, hätte eine Verlängerung der Laufzeiten um 28 Jahre allein für die bayerischen Kernkraftwerke zusätzlich fast 4.000 Tonnen hochradioaktive Brennelemente und ca. 8.400 Kubikmeter verstrahlte Betriebsabfälle zur Folge.

„Die Endlagerfrage ist aber bisher weltweit ungelöst – es gibt zurzeit nirgendwo ein sicheres Endlager", stellte Wörner fest. „Im Erprobungsendlager Asse II wurden trotz unzähliger Warnungen fast 126.000 Fässer strahlender Atommüll eingelagert. Mittlerweile dringen täglich 12.000 Liter Wasser in das Bergwerk ein. Irgendwann wird der Salzstock absaufen. Es ist nicht auszuschließen, dass die kontaminierte Salzlauge dann in das Grundwasser gelangt." Für die SPD-Landtagsfraktion hat die Sicherheit bei der Endlagersuche oberste Priorität, betonte der Umwelt- und Energieexperte. Die Standortentscheidung müsse transparent erfolgen, d.h. die Öffentlichkeit sollte am Prozess beteiligt werden.

Mit dem Festhalten an der Atomenergie würden auch wichtige Investitionen für Erneuerbare Energien verhindert, erklärte Wörner. Die geplante Laufzeitverlängerung mindere den Druck zu Energieeinsparungen und einer Steigerung der Energieeffizienz. Dabei wären Investitionen in Zukunftstechnologien erheblich lohnenswerter als eine Laufzeitverlängerung für die hoch subventionierten Kernkraftwerke, da die Erneuerbaren unerschöpflich sind und ihre Erzeugungskosten immer günstiger werden.

Hinzu kommt, dass Deutschland wie auch Bayern Jahr für Jahr große Mengen Strom exportieren, stellte der SPD-Umwelt- und Energiesprecher weiter fest. Im Jahr 2008 gab es deutschlandweit einen Stromexportüberschuss von 22,5 Milliarden Kilowattstunden, obwohl mehrere Atomkraftwerke wegen technischer Probleme still standen. Damit wurde der Stromexportüberschuss von 19 Milliarden Kilowattstunden aus dem Jahr 2007 sogar noch überboten. Wörner: „Die angebliche Stromlücke ist eine Stromlüge. Die Warnungen aus den Reihen von Union und FDP vor einer angeblichen Stromlücke bei einem Festhalten am Ausstieg aus der Kernenergie sind lediglich billige Panikmache."

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