Staatsregierung verkennt Handlungsbedarf in der Bildung

Portrait Pfaffmann

Donnerstag, 15. Juli 2010

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Hans-Ulrich Pfaffmann hat in seiner Entgegnung auf die Regierungserklärung von Kultusminister Ludwig Spaenle mehr konkrete Verbesserungen für Schüler und Schülerinnen in Bayern gefordert. „Handeln Sie konsequent und machen Sie die Augen nicht zu", sagte Pfaffmann.

Pfaffmann hält es nicht für angebracht, sich immer auf positive Ländervergleiche zu berufen, bei denen Bayern nur einen geringen Vorsprung habe und diese als Argumente dafür zu verwenden, dass alles in Ordnung sei. Die guten Ergebnisse seien zudem nicht als Erfolg der Staatsregierung zu werten, sondern seien dem Engagement und der Kompetenz von Eltern und Lehrern in Bayern geschuldet. Die Staatsregierung sollte darauf aufbauen und sich dafür bedanken – das tue sie aber keineswegs.

Der SPD-Bildungsexperte wies anhand des bayerischen Bildungsberichts gravierende Mängel im bayerischen Bildungssystem nach. Dazu zählt zu allererst eine große Ungerechtigkeit: Kinder aus Gebieten mit hohen Einkommen erreichen höhere Bildungsabschlüsse als Schüler aus ärmeren Gebieten Bayerns. Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund haben viel schlechtere Bildungschancen: So wechseln 78 Prozent der türkischen Kinder von der Grundschule an die Hauptschule. Pfaffmann forderte die Staatsregierung auf, Kinder nach ihren individuellen Fähigkeiten zu fördern, damit sie ihren Weg finden könnten. Die Ergebnisse des starr gegliederten Schulsystems seien nicht hinnehmbar: Etwa ein Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund erreicht keinen Schulabschluss.

Als „Schmarrn des Jahres" bezeichnete Pfaffmann die Einführung der Gelenkklassen zwischen Grundschule und Gymnasium. Damit werde der Leistungsdruck nur auf die 5. Klasse ausgedehnt. Eine Verbesserung für die Schülerinnen und Schüler sei nicht erkennbar.

Pfaffmann warf der Staatsregierung Etikettenschwindel vor: Es würden immer neue Begriffe in die Diskussion geworfen, an der realen Situation an den Schulen ändere sich jedoch nichts. Pfaffmann: „Lassen Sie das Erfinden von Wörtern und machen Sie die Klassen kleiner!"

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag mahnte auch einen schnelleren Ausbau der Ganztagsangebote in Bayern an. Bisher gebe es lediglich an 617 Schulen in Bayern ein Ganztagsangebot. Das sei viel zu wenig.

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