Auf dem Kleinen Parteitag der BayernSPD haben sich Vertreter von Jugend- und Lehrerverbänden klar für eine längere gemeinsame Schulzeit der Schülerinnen und Schüler in Bayern ausgesprochen. Das Konzept der Gemeinschaftsschule, das von den Delegierten auf dem Kleinen Parteitag der BayernSPD einstimmig beschlossen wurde, hat damit erheblichen Rückenwind erhalten.
„Ich finde es aus pädagogischen Gründen wichtig, dass wir eine längere gemeinsame Schulzeit haben. Aber wir müssen auch dafür sorgen, dass die wohnortnahe Schule erhalten bleibt“, sagte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) Klaus Wenzel (Foto). Alle Umfragen zeigten, dass in einem selektiven System Ungleichheiten stiegen. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund zählten heute zu den Verlierern. Der Staatsregierung warf Wenzel mit Blick auf die Situation bei den Ganztagsschulen Unredlichkeit vor: „Glauben Sie dem Kulturminister nicht, wenn er sagt, es gäbe in Bayern bereits 470 Ganztagsschulen. Eine gute Ganztagsschule zeichnet sich schließlich nicht dadurch aus, dass man die Schulzeit einfach mal zwei nimmt.“ Mit der Einrichtung einer Ganztagsschule gingen vielmehr auch Anforderungen einher. So müssten beispielsweise räumliche Ansprüche berücksichtigt werden.
„Wir haben 10 Jahre gemeinsame Schulzeit beschlossen und ich glaube, dass wir die Mehrheit des Verbandes dabei auch tatsächlich hinter uns haben“, so Martin Wagner, Landesgeschäftsführer der katholischen Landjugendbewegung Bayern. Dies könne allerdings nur realisiert werden, wenn auch die Eltern von diesem Konzept überzeugt würden. Nach wie vor sei in den Köpfen der Eltern die Vorstellung von guten und schlechten Schulen verankert. „Diese herrschende Meinung müssen wir durchbrechen“, sagte Wagner. Die Schule müsse zudem stärker dazu übergehen, lernen zu lernen. „Wir sind eine Gesellschaft, die lebenslang lernen muss.“ Den Schülern müsse daher vermittelt werden, sich selbständig Wissen anzueignen. Die Lehrer müssten ihrerseits die Rolle eines Begleiters einnehmen.
Dem schloss sich auch Dorothea Jüngst von der Evangelischen Jugend in Bayern an. „Bei uns existiert bereits ein Bildungs- und Erziehungsplan, der die Anforderungen an Pädagogen bei der Vermittlung von modernem Lernen in den Blick nimmt.“ Jüngst verwies zudem darauf, dass viele Kindertagesstätten bereits erfolgreich mit flexiblen Konzepten und kleinen Gruppen arbeiten würden.
Lisa Schüllner, Vorsitzende des Landesjugendwerkes der AWO in Bayern, plädierte für eine stärkere Teilhabe von Schülern mit Beeinträchtigungen. „Inklusion ist gut und richtig“, sagte Schüllner. Sie müsse allerdings den Anforderungen und Ansprüchen aller Kinder gerecht werden, sowohl der Hochbegabten, als auch der Kinder mit Beeinträchtigungen. Schüllner wies zudem darauf hin, dass eine Inklusion auch von den Schülern ganz andere Fähigkeiten abverlange. „Inklusion führt zu einer ganz anderen Gemeinschaft“, sagte Schüllner. Insbesondere der alltägliche Umgang miteinander müsse von den Schülern neu gelernt werden.
Die Talkrunde unter dem Titel "Die Schule im Dorf lassen" bildete den Auftakt des Kleinen Parteitages. Moderiert wurde sie vom Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Markus Rinderspacher.