SPD-Hochschulsprecherin Zacharias: CSU führt Geisterdebatte

Portrait Zacharias

Dienstag, 24. August 2010

Die von der CSU neu angestoßene Debatte über den Erhalt des Titels „Dipl-Ing." ist in den Augen der hochschulpolitischen Sprecherin der SPD, Isabell Zacharias, eine Geisterdebatte, die von den eigentlichen Problemen der Universitäten ablenkt. „Das zeigt doch nur, dass sich die Präsidenten der Hochschulen mehr mit alten Titeln als mit der chronischen Unterfinanzierung ihrer Universitäten auseinandersetzen." CSU und Staatsregierung täten gut daran, sich in der Hochschulpolitik endlich für mehr Qualität einzusetzen und nicht nur über Labels zu debattieren, empfiehlt die SPD-Abgeordnete ihrem CSU-Kollegen Bernd Sibler nach dessen heutiger Pressekonferenz. Hierzu müssten dringend deutlich höhere finanzielle Mittel in die Universitätskassen fließen.

Der Vorschlag von Wissenschaftsminister Heubisch, die Studienbeiträge aus staatlichen Mitteln zu verdoppeln, hält die Münchner Abgeordnete für geradezu absurd: „Wir können nicht auf die ohne unsozialen Studienbeiträge die weitere Finanzierung aufbauen", erklärt Zacharias. Es bedürfe deutlich mehr finanzieller Unterstützung des ohnehin chronisch unterfinanzierten Hochschulbereichs, zumal 2011 ein doppelter Abiturjahrgang in Bayern an die Hochschulen dränge. Die angeblich 38.000 zusätzlichen Studienplätze, die laut Sibler geschaffen würden, hält Zacharias für Augenwischerei, denn sie kompensieren lediglich einen Teil der bisher schon bestehenden Überlast an den Hochschulen.

Selbst der Wissenschaftsminister gestehe ein, dass zusätzliche 10.000 Studienplätze gebraucht werden. Deren Finanzierung wurde vom Finanzminister abgelehnt. Nach Berechnungen des Centrums für Hochschulforschung (CHE) werden 2011 noch weit mehr Studienanfänger und -anfängerinnen an die bayerischen Hochschulen drängen als die Staatsregierung in ihren bisherigen Hochschulplanungen kalkuliert hat. Ihre Zahl soll auf über 73.000 ansteigen. „Außerdem mangelt es den Hochschulen am ausreichenden wissenschaftlichen Mittelbau", erklärt Zacharias. "Hier fehlen mehrere tausend Stellen, um eine adäquate Betreuung und Lehre der Studierenden zu gewährleisten."

Gleichzeitig warnt die SPD-Hochschulsprecherin davor, sich bei der Finanzierung der Universitäten weiterhin auf die Studienbeiträge zu verlassen. „Nicht nur, dass sie unsozial sind und Bildung verhindern - ihre Erhebung bindet auch noch wichtige finanzielle und personelle Ressourcen in den Verwaltungen der Hochschulen." Die vom CSU-Abgeordneten Sibler stolz vorgetragene Zahl von einem Drittel aller Studierenden in Bayern, die von den Studienbeiträgen befreit sind, „erfordert einen immensen Verwaltungsaufwand seitens der Hochschulen - das kostet. Zudem entwickelt sich die Befreiung zu einem Unsicherheitsfaktor in den Verwaltungen", da niemand wisse, mit wieviel Studienbeiträgen für das nächste Semester zu rechnen sei. „Studienbeiträge abschaffen" lautet daher die Forderung von Isabell Zacharias.

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