Die Ärztin und Gesundheitspolitikerin Sabine Dittmar hält den Vorschlag von Sozialministerin Christine Haderthauer, exzessiv trinkende Jugendliche, die wegen ihres Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt wurden, dem zuständigen Jugendamt zu melden, für wenig hilfreich. „Zum einen glaube ich, dass die Jugendämter bereits mit ihren jetzigen Aufgaben völlig ausgelastet, wenn nicht sogar überlastet sind. Jede weitere Aufgabe wäre ohne eine kräftige Personalaufstockung nicht zu bewältigen. Zum anderen bin ich der Meinung, dass bisherige Betreuungs- und Präventionsmaßnahmen der richtige Ansatz zur Problemlösung sind. Es muss nur sichergestellt werden, dass diese Maßnahmen auch angewendet und – wenn nötig – verbessert werden", so Sabine Dittmar. 2007 wurden in Bayern 4000 Jugendliche wegen Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus behandelt.
Die Gesundheitspolitikerin weist darauf hin, dass es bereits das Projekt HaLT (Hart am Limit) des Bayerischen Gesundheitsministeriums gibt. Jugendliche, die mit Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus aufgenommen werden, werden von Sozialpädagogen der Suchthilfe besucht, um ein erstes aber ernsthaftes Gespräch zu führen. Die Jugendlichen und ihre Eltern erhalten Beratung und das Angebot zur Hilfe. Des weiteren geht HaLT mit präventiven Maßnahmen an die Öffentlichkeit. Es gibt Informationsveranstaltungen an Schulen, öffentliche Veranstaltungen zur Suchtvorbeugung. Träger des Projekts ist die Bayerische Akademie für Suchtfragen in Forschung und Praxis e.V., das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit fördert das Projekt.
„Es muss die Möglichkeit genutzt werden, durch die Zusammenarbeit der Akademie für Suchtfragen mit den Krankenkassen, mit den Kliniken und mit den Kommunen dem Problem des Alkoholmissbrauchs unter Jugendlichen erfolgreich entgegen zu treten. Eine zusätzliche Meldepflicht für jugendliche Trinker oder gar repressive Maßnahmen gegen uneinsichtige Eltern sind nicht geeignet, aus der herrschenden Misere einen glücklichen Ausweg zu finden", ist Dittmar überzeugt. „Frau Haderthauer sollte sich im Gesundheitsministerium informieren lassen, vielleicht findet sich auch ein guter Weg der Zusammenarbeit der beiden Ministerien, der allen Betroffenen nützt."