Als reine Rhetorik und leere Versprechungen bezeichnet der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann Äußerungen von Kultusminister Siegfried Schneider auf einer Veranstaltung in Tittling. „Schneider versucht die erheblichen Fehler der bayerischen Bildungspolitik kleinzureden", so Pfaffmann. „Das sind reine Wahlkampfversprechungen ohne Konsequenzen. Mit der CSU wird es auch im kommenden Schuljahr keine spürbaren Verbesserungen geben. Eine Entlastung der Familien und Schüler ist nicht in Sicht. Die CSU ist verbraucht und reformunfähig."
Pfaffmann fordert erneut, die Landtagswahl 2008 zu einer Abstimmung über besserer Rahmenbedingungen an allen Schularten zu machen: „Die Landtagswahl ist die beste Gelegenheit der bayerischen Schul- und Bildungspolitik eine klare Absage zu erteilen. Wer will, dass es höhere Bildungsinvestitionen gibt, kleinere Klassen, besserer individuelle Förderung der Schüler/innen, mehr Ganztagsangebote in gebundener Form, mehr Schulpsychologen und eine längere gemeinsame Schulzeit ohne Übertrittsdruck im 10 Lebensjahr, darf nicht die CSU wählen."
Im Einzelnen nimmt Pfaffmann zu den von Schneider angesprochenen Problemfeldern Stellung:
Thema Dorfschulen
„Die Schule müsse der Mittelpunkt eines Dorfes sein betonte Schneider in Tittling. Tatsache aber ist, dass die CSU Mehrheit im bayerischen Landtag eine Bestandsgarantie für alle Schulen in den Regionen Bayerns abgelehnt hat. Das heißt, die Schulen in den Dörfern und Regionen, vor allem ein- oder zweizügige Schulen sind eben nicht gesichert. Zur Erinnerung: in den letzten Jahren wurden über 40 Prozent der Hauptschulstandorte in den Regionen Bayerns geschlossen."
Thema Kombiklassen
„Schneider spricht von pädagogischen Vorteilen der jahrgangsgemischten Klassen. Tatsache ist, dass die Kombiklassen in Bayern als Sparmodell eingeführt werden. Kombiklassen haben aber nur dann einen Vorteil, wenn die Klassen 20 Schüler/innen maximal nicht überschreiten und bei Bedarf zwei Lehrkräfte eingesetzt werden können. Davon sind wir meilenweit entfernt."
Thema G8
„Schneider will die Belastungen der G8 Schülerinnen und Schüler in Grenzen halten. Wie das gehen soll, sagt er allerdings nicht. Tatsache ist, dass jeder dritte bis vierte Schüler am G8 ohne Nachhilfe nicht mehr auskommt. Tatsache ist auch, dass es an einem Drittel aller G8 Klassen mehr als 30 Schülerinnen und Schüler gibt, teilweise mehr als 33. Eine deutliche Reduzierung der Klassenstärke ist nicht in Sicht. Tatsache ist weiter, dass der Leistungsdruck und der Schulstress enorm sind und keine Konzepte vorliegen, diese Situation zu verbessern."
Thema 6000 neue Lehrer
„Schneider erweckt den Eindruck, dass in der neuen Legislaturperiode 6000 neue Lehrer eingestellt werden. Tatsache ist, dass diese Stellen im aktuellen Staatshaushalt nicht zu finden sind. Die aktuelle eingestellten und finanzierten Lehrerinnen und Lehrer reichen noch nicht einmal aus, um den Schüleranstieg an den weiterführenden schulen zu kompensieren. Eine deutliche Reduzierung der Klassengrößen bleibt mit der CSU nahezu unerreichbar."
Thema Ausbildung für alle
„Schneider erklärt, dass jeder Schulabgänger eine Lehrstelle erhalten muss. Tatsache ist, dass nahezu zehn Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Bayern die Schule ohne jeglichen Schulabschluss verlassen und weitere zehn Prozent eine schlechten Abschluß machen. Diese jungen Leute sind auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt nahezu ohne Chance. Tatsache ist, dass dies seit Jahren so ist und die CSU keinerlei Rezept gefunden hat diese dramatische Zahl zu verbessern. Deswegen ist Schneider nicht mehr zu glauben und seine Versprechungen sind reine Worthülsen."
Thema dreigliedriges Schulsystem
„Schneider erklärt, das dreigliedrige Schulsystem in Bayern sei alternativlos. Tatsache ist dass nahezu alle europäischen Länder andere Schulsysteme zum Beispiel mit einer längeren gemeinsamen Schulzeit und integrativen Schulsystem aufweisen. Tatsache ist, dass über 90 Prozent der OECD Länder integrative Schulsysteme mit längeren gemeinsamen Schulzeiten haben. Tatsache ist, dass das Übertrittszeugnis im zehnten Lebensjahr der Kinder pädagogisch höchst umstritten und keinesfalls kindgerecht ist. Das Übertrittszeugnis muss abgeschafft und die Wahl der Schulart den Eltern nach Beratung durch die Schule überlassen werden. Außerdem müssen Reformschulen mit längerer gemeinsamer Schulzeit zugelassen werden. Dazu ist die CSU in ihrer ideologischen Verblendung offensichtlich nicht mehr in der Lage."
Rhetorische Luftblasen in Sachen Bildungspolitik
Mittwoch, 6. August 2008
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