Markus Rinderspacher: Seehofer täuscht in der Umfragen-Affäre die Öffentlichkeit

Portraitfoto von Markus Rinderspacher

Montag, 9. August 2010

44 Seiten der 48-seitigen Umfrage sind erkennbar parteipolitisch von Nutzen für die CSU. Die Studie dient nicht, wie von der Staatsregierung fälschlich behauptet, zur Planung der Regierungsarbeit. Der Ministerpräsidentz hat eingeräumt, die Fragen vor Auftragsvergabe gelesen zu haben.

Ministerpräsident Seehofer und seine Staatskanzlei haben die Öffentlichkeit bewusst getäuscht. Das hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher dem Regierungschef in der Affäre um die ganz offensichtlich im CSU-Parrteiinteresse in Auftrag gegeben Meinungsumfragen vorgeworfen, die die Staatskanzlei mit Steuergeldern bezahlt hatte.

Scharf kritisierte Rinderspacher die Rechtfertigungsversuche Seehofers, der für die Strategietipps in den Studien das Meinungsumfrageinstitut verantwortlich machen wolle. Seehofer hatte eingeräumt, dass er die Fragen in der umstrittenen Resonanzstudie gekannt habe und eine solche Umfrage wieder in Auftrag geben würde. Der CSU-Chef habe sich damit in den vergangenen Tagen "um Kopf und Kragen geredet", sagte Rinderspacher.

Er erinnerte daran, dass die Staatskanzlei 15 Monate lang die Herausgabe der Umfragen mit dem Hinweis verweigert hatte, diese sogenannten „Resonanzstudien“ dienten der „Willensbildung der Staatsregierung“ sowohl für die Diskussion im Kabinett als auch bei der Vorbereitung von Entscheidungen (siehe Zitate unten). Eine Vorspiegelung falscher Tatsachen: denn die jüngste Studie, in der der CSU ein aggressiver Umgang mit ihrem Koalitionspartner FDP angeraten worden war, wurde im Kabinett überhaupt nicht besprochen, den FDP-Ministern wurde sie auch nicht vorgelegt. Rinderspacher bezeichnete dieses Vorgehen der CSU als "Geheimkommando, basierend auf Lug und Trug". Er verweist darauf, dass 44 Seiten der 48-seitigen Umfrage für die CSU erkennbar parteipolitisch von Nutzen sind. Denn nicht Regierungspolitik ist Thema zahlreicher Tabellen und Darstellungen der Meinungsforscher, sondern beispielsweise Wahlabsichten der Bürger sowie Wahlprognosen, die Beliebtheit von Ministerpräsident Seehofer im Vergleich zu Bundeskanzlerin Merkel und die Lösungskompetenz der einzelnen Parteien bei Familien- oder Schulpolitik. Selbst die Auswertung nicht primär parteipolitisch motivierter Fragen – etwa Auswirkungen der Finanzkrise, der Einfluss Bayerns im Bund – wurde oft nach der parteipolitischen Orientierung der befragten Bürger vorgenommen.

Die CSU bezeichnete Rinderspacher als „doppelten Nutznießer“ der Umfragen. Sie hatte sich wertvolle Tipps zum Machterhalt geholt, ohne die Parteikasse zu belasten. Deshalb hätte die CSU die Studie in ihrem Rechenschaftsbericht als geldwerten Vorteil angeben müssen. Die Kosten der Umfragen zu Lasten der Steuerzahler baelaufens sich 108.000 Euro. Inhalt einer aktuellen Parlamentsanfrage Marus Rinderspachers: Hat der CSU-Parteivorstand über die Resonanzstudie diskutiert, die dem Kabinett vorenthalten worden war?

Zur Dokumentation:

Antworten der Staatsregierung am 07.04.2009 und 25.06.2009 auf Schriftliche Parlamentsanfragen von Markus Rinderspacher zum Zweck der Resonanzstudien:
„Die Resonanzuntersuchungen liefern wichtige Aufschlüsse für die Resonanz der Bevölkerung auf von der Bayerischen Staatsregierung aufzugreifende Themen und Probleme sowie geplante Projekte. Sie dienen der längerfristig angelegten Vorbereitung von Entscheidungen der Bayerischen Staatsregierung.
Demoskopische Untersuchungen sollen die Willensbildung der Bayerischen Staatsregierung, sowohl hinsichtlich der Erörterungen im Kabinett als auch bei der Vorbereitung von Kabinetts- und Ressortentscheidungen, die sich vornehmlich in ressortübergreifenden und -internen Abstimmungsprozessen vollzieht, vorbereiten und unterstützen. Damit betrifft die Frage den Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung, der einen grundsätzlich nicht ausforschbaren Initiativ-, Beratungs- und Handlungsbereich mit einschließt.“

Die tatsächlichen Themen der Seehofer-Studie vom 26. Januar 2009:

  • Seite. 5-19 Politische Stimmung (allgemeine Stimmungsindikatoren, Zufriedenheit mit Regierung und Politikern, Wahlabsichten, Projektion Landtagswahl)
  • Seite 22-25 Lösungskompetenzen im Parteienvergleich
  • Seite 26-30 Bewertung der Landtagswahl vom 28. September 2008
  • Seite 31-33 Einstellungen von Parteianhängern zu Finanzkrise
  • Seite 36-39 Einstellungen von Parteianhängern zur Landesbank
  • Seite 40-48 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die Seehofer-Studie zum Download:
Resonanzuntersuchung Bayern Ende 2008

Es fand keine „Erörterung im Kabinett“ und keine „ressortübergreifenden und – internen Abstimmungsprozesse“ statt, zumindest nicht mit den FDP-Ministerien. Von einem Initiativ-, Beratungs- und Handlungsbereich kann keine Rede sein.

Was Seehofer behauptet:

SZ vom 7./8. August 2010
„Ja, ich kannte sie (die Fragen)….. Es geht um Kernfragen der bayerischen Landespolitik, nicht der Parteipolitik. Ich würde das jederzeit wieder tun.“„Wenn die FDP personelle Konsequenzen will, dann soll sie sich an mich wenden. Was in der Staatskanzlei stattfindet, das findet in meiner Verantwortung statt.“

RTL-Sommerinterview vom 6. August
„Sondern es sind ganz natürliche Fragen gestellt worden, die man in der Beantwortung wissen muss, um von Zeit zu Zeit alle zwei, drei Jahre zu wissen, wo steht man eigentlich mit der Politik.”“Ich wusste um diesen Auftrag, ich kannte die Fragen. Die Frage, welche Kompetenz hat die bayerische Staatsregierung, nicht die CSU, im Feld zum Beispiel der Wirtschaft, der Bildungspolitik; oder was halten sie von dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten, der damals gerade fünf Wochen im Amt war, was halten sie von der bayerischen Staatsregierung, wie beurteilen sie das Krisenmanagement zur bayerischen Landesbank, welche Fragen beantworten Sie wie zu Wirtschafts- und Finanzkrise? Wenn man diese Frage nicht mehr stellen darf, und das vielleicht alle zwei, drei Jahre, um sich vom Standort verorten zu können, dann würde ich das nicht verstehen. Es hat sich keine Frage gegen unseren Koalitionspartner gerichtet.“

ZDF-Sommerinterview vom 08. August
Warum die FDP als Koalitionspartner bisher nichts von der Studie erfahren hat: „Weil aus meiner Sicht überhaupt nichts Bedeutsames dabei war, was man jetzt in der Koalition hätte austauschen müssen.“Den Vorwurf, die Umfragen seien CSU-Wahlkampfhilfe auf Kosten der bayerischen Steuerzahler, wies Seehofer zurück, räumte aber ein: „Es gab Fragen, die mit uns abgestimmt waren.“ Nicht aber mit der FDP. Er könne doch als Chef eine Umfrage über die Arbeit der Staatsregierung in Auftrag geben, „ohne dass ich das mit irgendjemandem abstimmen muss“. (Quelle: ddp)

Links zum Thema:
Die ursprünglichen Antworten der Staatsregierung auf die schriftlichen Anfragen von Markus Rinderspacher: * Meinungsumfragen im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung (22.02.2009) http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/090422Anfr_Umfragen.pdf
* Resonanzstudien im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung (28. Mai 2009)
http://www.bayernspd-landtag.de/downl/PK10/090804Anfr_Resonanz.pdf

Benutzerdefinierte Suche

Alle Newsmeldungen: zum Archiv

Bleiben Sie auf dem neuestem Stand.

Der Newsletter der BayernSPD informiert Sie über aktuelle Themen und Termine.

Mehr Infos und Anmeldung:

http://newsletter.bayernspd.de

Mit unserem neuen BayernSPD-Newsmodul kann jeder unsere aktuellen News auf seiner eigenen Website haben! Und das beste: Das Newsmodul kann ganz einfach in jede bestehende Website eingebaut werden!

Gleich loslegen: So funktioniert das Newsmodul

Für einen schnellen Überblick über die aktuellsten Inhalte auf unserer Website bieten wir Ihnen unseren kostenlosen Newsfeed an.

Abonnieren Sie den RSS-Newsfeed der BayernSPD:

http://bayernspd.de/news/rss

Was ist RSS?

RSS ist ein Service, der es ermöglicht, aktuelle Inhalte einer Website direkt zu sichten. Dabei muss die Website nicht besucht werden. RSS-Feeds sind in vielen E-Mail-Programmen abonnierbar oder durch spezielle Feed-Reader-Programme zu lesen. Dort werden die neuesten Inhalte einer Website durch eine Übersicht und eine Textanriss sowie einem weiterführenden Link dargestellt.

Erfahren Sie mehr:

http://www.rss-verzeichnis.de

  • 14.02.2012 | 19:00 | Oberaudorf
    Inntalkonferenz mehr…
  • 15.02.2012 | 19:30 | Erlangen
    Islamischer Religionsunterricht – Wenn ja, wie? mehr…
  • 16.02.2012 | 18:00 | Buckenhof
    Die Gemeinschaftsschule sorgt für mehr Gerechtigkeit in der bayerischen Schullandschaft mehr…
  • 16.02.2012 | 19:00 | Gilching
    Bayern vor neuen Herausforderungen mehr…
  • 16.02.2012 | 19:30 | Hausham
    Verleihung des Umweltpreises mehr…
  • 17.02.2012 | | Ingolstadt
    SPD-Faschingsball mehr…

Zu den Terminen

  • BayernSPD

    BayernSPD: Christian Ude im Interview mit dem Main-Echo in Aschaffenburg: "Ich sehe die riesige Chance und Herausforderung, nach 45 Jahren SPD-Mitgliedschaft…
    vor 9 Stunden

  • BayernSPD

    BayernSPD: Dresden braucht unsere Courage: Gegen Rechtsextremismus und Gewalt! Die SPD ruft bundesweit dazu auf, die friedlichen Proteste gegen Neonazis…
    vor 11 Stunden

  • BayernSPD

    BayernSPD: Guter, informativer Beitrag zu ACTA
    Who the fuck is ACTA?
    Es kursiert, dass irgendwas da läuft. Nach SOPA und PIPA jetzt ACTA. Irgendwas mit "diesem…
    vor 11 Stunden