Ludwig Wörner fordert: Vorrang für gentechnikfreie Nahrungsmittel

Portrait Wörner

Mittwoch, 24. September 2008

Absoluten Vorrang für gentechnikfreie Nahrungsmittel, für die gentechnikfrei wirtschaftende Landwirtschaft und für die Imker fordert der verbraucherpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, nach dem Debakel um die Honigernte des Rieser Imkers Karl Heinz Bablok, die jetzt komplett in der Müllverbrennung Augsburg entsorgt werden musste, weil sie Spuren von Gentechnik enthielt. Ludwig Wörner: „Eine Koexistenz des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen und einer gentechnikfreien Nahrungsmittelerzeugung kann es nicht geben. Deshalb brauchen wir jetzt den Schutz der vielen Landwirte und Verbraucher, die gentechnikfrei erzeugen und essen wollen. Die Antwort kann nur sein: Die Ausrufung des gentechnikanbaufreien Bayerns."

Damit wird die morgige (25. September) Abstimmung im Bundestag über den Antrag der Grünen, auf eine Weiterentwicklung des europäischen Gentechnikrechts zu drängen, zur Nagelprobe für die CSU, die mit Blick auf die Koalitionsvereinbarungen einen umfassenden Antrag der SPD-Bundestagsfraktion seit drei Monaten nicht zur parlamentarischen Beratung zulässt: „Jetzt muss die einzig wirksame Maßnahme auf den Weg gebracht werden, nämlich den Ländern die Möglichkeit zu geben, sich rechtlich verbindlich als gentechnikanbaufreie Regionen auszuweisen. Jetzt muss Schluss sein mit taktischen Spielchen und Geschäftsordnungstricks der CSU, um sich über die bayerische Landtagswahl zu retten, ohne Farbe bekennen zu müssen."

Das Verwaltungsgericht Augsburg stellte am 30. Mai fest 2008, dass Honig mit Blütenpollen des gentechnisch veränderten Mais MON 810 nicht verkehrsfähig ist. Nun wurde dieser Pollen trotz der vom Gericht vorgegebenen Vorsichtsmaßnahmen – vier Wochen Asyl in der gentechnikfreien Zone München - im Honig des Imkers Karl Heinz Bablok (Kaisheim; Landkreis Donau-Ries) gefunden. Seine gesamte Jahreshonigernte war betroffen und wurde am 23.September in der Müllverbrennung Augsburg entsorgt. Ob Imker Bablok den Schaden vom Anbauer, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, ersetzt bekommt, ist ungewiss. Allein seine diesjährigen Analysekosten betragen 746,73 Euro. Die Mehrkosten durch Abwanderung, Betreuungsaufwand der Völker, Entsorgungskosten für Honig und Met, sowie der entgangene Verkaufserlös und Ertragsausfall liegen nach erster Schätzung bei etwa 10.000 Euro. Bablok versteht die Welt nicht mehr: „Imker und Bienen arbeiten das ganze Jahr. Landwirtschaft und Wildpflanzen brauchen uns für die Befruchtung. Ich begreife nicht, warum unserer Regierung die Gentechnik wichtiger ist, als die heimische Natur. Wenn es so weitergeht, höre ich mit den Bienen auf."

Bienen sammeln in einem Radius von 5 Kilometer Nektar und bestäuben Blüten, ohne zu unterscheiden, ob sie gentechnisch verändert sind oder nicht. Das Verwaltungsgericht hatte entschieden, dass die Imker in der Umgebung der staatlichen Anbauflächen während der Maisblüte mit ihren Völkern abwandern müssen, um sich vor der Kontamination ihrer Produkte durch Genmais zu schützen. Bablok hatte seine Bienen zwar abtransportiert und vor der Maisblüte geerntet, aber zu seiner eigenen Überraschung waren noch Pollen des GVO Anbaus vom Vorjahr in seinen Völkern.

„Wenn zwei Prozent des bayerischen Maisanbaus mit Gentechnik erfolgt, könnte dies wegen des großen Flugradius der Bienen und der relativ kleinen Anbauflächen dazu führen, dass sämtliche bayerische Imker davon betroffen sind", betont Imkermeister Thomas Radetzki, der das Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik vertritt: „Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie der Aufforderung des Bundesrates anlässlich der Verabschiedung des Gentechnikgesetzes folgt und für Regelungen sorgt, die auch für Imker eine Koexistenz gewährleisten."

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