Konservative wollen in der Frauenpolitik zurück ins Mittelalter

Portrait Westphal

Donnerstag, 11. Februar 2010

"Die Konservativen im Europaparlament haben heute wieder ihr wahres Gesicht gezeigt. Alle Vorschläge zur Verbesserung der Situation der Frauen wurden von einem Großteil der konservativen Abgeordneten abgelehnt", sagte die sozialdemokratische Abgeordnete Kerstin Westphal am Mittwoch anlässlich der Abstimmung zum Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Europäischen Union. Der Grund für die ablehnende Haltung der EVP sei ein Absatz im Bericht gewesen. Er beinhaltet, dass die Kontrolle über die sexuellen und reproduktiven Rechte stets bei den Frauen bleiben muss, insbesondere mit Hilfe eines ungehinderten Zugangs zu Verhütung und Abtreibung. "Die Jahre der Emanzipationsbewegung sind an der EVP wohl spurlos vorübergegangen. Sie wollen in der Frauenpolitik anscheinend wieder zurück ins Mittelalter", kritisiert Westphal.

"Es ist beschämend, wenn Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollen auch heute noch an den Pranger gestellt werden", unterstreicht die Europaparlamentarierin. Darüber hinaus sei es völlig unverständlich, wenn, wie in besagtem Absatz gefordert, die Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsdiensten und Abtreibungsberatungen abgelehnt werde. Westphal: "Wollen wir die Frauen wieder in die Hände von Kurpfuschern treiben, die gegen viel Geld illegal Abtreibungen vornehmen?" Die EVP ist sich anscheinend nicht bewusst, dass sie mit ihren Ansichten viele Frauen in Bedrängnis bringt und Leid verursacht, das zu vermeiden wäre. "Ich fordere die EVP auf, ihre Haltung zu revidieren und endlich anzuerkennen, dass Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben", bekräftigt die EU-Abgeordnete.

Der Bericht fordert die Mitgliedstaaten außerdem auf, mehr für die Umsetzung des Prinzips „gleicher Lohn für gleiche Arbeit" zu tun. Im Schnitt verdienen Frauen mit gleicher Qualifikation und Verantwortung rund 15% weniger als ihre männlichen Kollegen. Außerdem weist der Bericht darauf hin, dass etwa 60% der Hochschulabsolventen Frauen sind, aber die Führungspositionen in Politik und Wirtschaft immer noch eine weitgehend in männlicher Hand sind.

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