Seit einigen Tagen wird in Deutschland - insbesondere in Bayern - diskutiert, ob die EU-Pläne zu sogenannten Nährwertprofilen von Nahrungsmitteln das "Aus" für deutsches Brot oder bayrische Brezn bedeuten. Dazu stellt Wolfgang Kreissl-Dörfler, SPD-Europaabgeordneter aus Bayern, fest:
Wir unterstützen die Forderungen der Bäcker, die Pläne der EU-Kommission abzuändern. Man muss grundsätzlich fragen, wie sinnvoll solche Nährwertprofile sind. Es stört zwar, wenn zum Beispiel Hersteller von stark gezuckerten Vitamin-Bonbons ihre Produkte in der Werbung als "gesund" bezeichnen dürfen. Doch dieses Thema EU-weit zu regeln, erscheint uns falsch: Hier geht es mehr um Gesundheitsvorsorge und Pädagogik, und dafür ist die EU nicht zuständig. Außerdem sind diese Nährwertprofile wissenschaftlich fragwürdig.
Beim Brot machen Nährwert-Profile erst Recht keinen Sinn. Die Kommission hatte ursprünglich geplant, dass nur noch solches Brot als "gesund" gekennzeichnet werden darf, bei dessen Herstellung je 100 Gramm maximal ein Gramm Salz verwendet wurde. Nach den berechtigten Protesten ist die Kommission bereits zurückgerudert und wird diese Grenze vermutlich auf 1,5 Gramm anheben. Damit wären die meisten deutschen Brotsorten "aus dem Schneider". Wir plädieren allerdings dafür, beim Salzgehalt von Backwaren gar keine Grenzwerte vorzugeben. Jeder, der eine Salzbrezn isst, weiß ja, dass er Salz zu sich nimmt, und entscheidet sich bewusst für den Verzehr von Salz.
Gleichzeitig möchten wir die Bäcker aber auch beruhigen: Schlagzeilen, wonach die EU den Bäckern vorschreiben will, wieviel Salz sie benutzen dürfen, sind Panikmache. Selbst wenn die Vorschläge der Kommission umgesetzt werden, wird es nie verboten werden, dem Brot Salz zuzufügen. Jeder Bäcker kann natürlich so viel Salz einsetzen, wie er will. Nur wenn er auf die Verpackung schreiben will, dass sein Brot besonders gesund sei, dann muss er die Grenzen einhalten. Produkte, die nicht verpackt sind (die Brezel im Korb, das frische Brot im Regal) sind übrigens von den Plänen gar nicht betroffen.
Trotzdem werden wir uns dafür einsetzen, dass entweder der gesamte Vorschlag kassiert wird, oder dass zumindest Brot und Backwaren aus der Regelung herausgenommen werden.