Josef-Felder-Preis für a.i.d.a.

Portraitfoto von Markus Rinderspacher

Montag, 12. Dezember 2011

„Unsere Verfassung braucht Schutz. Der Schutz der Verfassung ist nicht die Sache von anonymen Ermittlern, es geht um genaues, dauerhaftes Hinsehen und Hinhören der Demokraten. Die Arbeit von a.i.d.a. ist daher Verfassungs- und Demokratieschutz im allerbesten Sinne.“ Dies erklärte Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, im Rahmen der Verleihung des Josef-Felder-Preises an die „antifaschistische dokumentations-, informations- und archivstelle München.“

„Dass sich a.i.d.a. im bayerischen Verfassungsschutzbericht als linksextremistische Organisation wiederfindet, ist ein Skandal und unerträglich. Wir fordern, dass die Beobachtung von a.i.d.a. sowie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) durch das Landesamt für Verfassungsschutz eingestellt wird“ so Markus Rinderspacher weiter.

Natascha Kohnen, Generalsekretärin der BayernSPD sagte, dass die SPD diesen Preis an Bürgerinnen und Bürger verleiht, die sich in hervorragender Weise um das Gemeinwohl verdient gemacht und Zivilcourage bewiesen haben. „Unser diesjähriger Preisträger zeigt diesen Einsatz seit Jahren und der Wert ihrer Arbeit ist angesichts der aktuellen Ereignisse unschätzbar und wichtiger denn je.“

Marcus Buschmüller, Vorsitzender von a.i.d.a., betonte in seiner Rede, dass sich jeden Tag in Deutschland mindestens zwei bis drei rechte und rassistische Gewalttaten ereignen. „In Bayern wurden bis Ende Oktober 2011 mindestens 28 Personen verletzt. Die Täterinnen und Täter sprechen vor allem denjenigen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Leben ab, die als Minderheiten ohnehin schon vielfach gesellschaftlich diskriminiert werden. Das zu ändern und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, können wir nicht an den Staat delegieren: Jede und jeder kann bei rassistischen Sprüchen am Arbeitsplatz, antisemitischer Hetze auf dem Sportplatz oder „Schwulenwitzen“ Kontra geben und eingreifen, wenn andere bedroht und geschlagen werden.“

Es sei unbegreiflich, dass im Zusammenhang mit den NSU-Morden von „Fremdenfeindlichkeit“ die Rede ist. „Die Ermordeten waren mitnichten „Fremde“, „Türken“ oder „Griechen“, sondern repräsentieren die Mitte unserer Gesellschaft. Es ist Zeit, endlich von Rassismus und dem Wahn von der „Überlegenheit der Weißen” zu sprechen, denn dies war das Motiv der Neonazis. Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle Menschen gleiche Rechte haben und gleich geschützt werden – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Status und allen anderen „Merkmalen“, so Marcus Buschmüller. Mit dem Josef-Felder-Preis, der insgesamt mit 2500 Euro dotiert ist, wurden die „antifaschistische dokumentations-, informations- und archivstelle München“ sowie das „Bürgerforum Gräfenberg“ ausgezeichnet. Die Preisverleihung an das „Bürgerforum Gräfenberg“, das über Jahre hinweg einen phantasievollen und erfolgreichen Widerstand gegen die monatlichen Naziaufmärsche in Gräfenberg organisiert hat, findet am 3. Februar in Nürnberg statt.

Josef Felder war einer der 94 Sozialdemokraten im Berliner Reichstag, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz stimmten, 1934 wurde er inhaftiert und bis 1936 im KZ Dachau festgehalten. Nach 1945 war Josef Felder unermüdlich als Zeitzeuge unterwegs, um das demokratische Bewusstsein der jungen Generation zu stärken.

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