„Der Sozialdemokratie kommt es auf jede einzelne Person an, nicht nur auf bestimmte Gruppen oder Schichten. Jedes Individuum zählt.“ Vor allem auf Gesine Schwan kommt es den Gästen des Jazz-Frühschoppens von Uli Pfaffmann an. Wahlkampf macht die SPD-Bewerberin für das Präsidentenamt nicht, aber ihr Vortrag ist sehr politisch.
Bildung ist für Schwan „eine fortdauernde Auseinandersetzung, die ich mit der Welt habe, indem ich auf die Welt zugehe, mir ein Urteil bilde und mich um diese Welt kümmere“. Schüler müsse man „fördern und fordern“. Auch in der Schule müsse man den Kindern Vertrauen entgegenbringen, was wiederum die Grundlage der Demokratie sei.
Essenziell sei auch der Beitrag jedes Einzelnen, nicht nur am Wahlsonntag. Demokratie sei „kein Angebot, sondern eine Aufgabe für uns alle“. Wer mit den Parteien unzufrieden sei, solle anstatt zu klagen lieber in eine eintreten und sich für seine Vorstellungen stark machen.
Gesine Schwan setzt sich für ein menschlicheres System ein: „Wir brauchen kein zentralistisches Wirtschafts-System, aber der Markt braucht Grenzen. Der entfesselte Kapitalismus macht die Menschen zu Rädchen.“ Einerseits sei es verständlich, wenn Menschen resignierten, weil die Politik es im Augenblick nicht schafft, den Markt vernünftig zu zügeln, aber wer die Politik verachte, verachte letztlich sich selbst. Der Bildungsexperte im Kompetenzteam der BayernSPD, Uli Pfaffmann freute sich als Veranstalter über den großen Andrang von Menschen, die sich für Kultur und Demokratie interessieren. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Pfaffmann. „Und die Menschen wollen mehr sehen und hören von Gesine Schwan, sie wäre eine großartige Präsidentin.“ Der wiederum geht es nicht um die mögliche Präsidentin Gesine Schwan, sondern um die Möglichkeit und die Chance, „bestimmte Themen anzusprechen, von denen ich glaube, dass sie diskutiert werden sollten“.
Rund 600 Menschen interessieren sich im Münchner Schlösslgarten an diesem Sonntag Morgen für Schwans Gedanken zu Bildung und Demokratie. Nicht zuletzt auch für die Musik der „Hard Day’s Night Big Band“, die später auch von Schwans Ehemann Peter Eigen, dem leidenschaftlichen Saxophonisten und Gründer der Nichtregierungsorganisation „Transparency International“, unterstützt wird.