Frauen in Bayern kämpfen noch für Chancengleichheit

Portrait Strohmayr

Donnerstag, 5. März 2009

Bayern ist, was die Gleichstellung von Frauen und Männern betrifft, immer noch ein Entwicklungsland. Dies ergab zuletzt eine Auswertung des im Februar vorgelegten Sozialberichts. Die frauenpolitische Sprecherin Dr. Simone Strohmayr fordert daher anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März die Staatsregierung in einem Dringlichkeitsantrag auf, dafür zu sorgen, dass es mehr Chancengleichheit für Frauen gibt. Die SPD-Landtagsfraktion fordert unter anderem, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Ferner müssten mehr Frauen an technische und naturwissenschaftliche Berufe und mehr Männer ans Lehramt beziehungsweise an soziale Berufe herangeführt werden. Für dringend notwendig hält Strohmayr auch Quotenregelungen im öffentlichen Dienst, Frauenförderung an den Hochschulen sowie einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz.

Obwohl Frauen inzwischen bessere Bildungsabschlüsse erzielen, 23 Prozent der Frauen haben Abitur, aber nur 18 Prozent der Männer, wirkt sich dies auf die berufliche Stellung beziehungsweise auf das Einkommen nur geringfügig aus. Immer noch müssen zahlreiche Frauen mit einem Bruttomonatseinkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle auskommen. Mit 25,6 Prozent liegt der Niedriglohnanteil bei Frauen im Angestelltenverhältnis viel höher als bei Männern (9,3 Prozent). Frauen sind darüber hinaus mit 6,6 Prozent häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als ihre Kollegen (5,6 Prozent). Schließlich schaffen Frauen seltener den Sprung in die Führungsebene: In Nordbayern beträgt die Quote gerade einmal 24 Prozent, in Südbayern sogar nur 22 Prozent (deutschlandweit 25 Prozent). Auch an den bayerischen Hochschulen sind Frauen unterrepräsentiert. Der Anteil der Professorinnen bleibt mit 11,1 Prozent deutlich hinter dem der Professoren zurück.

Als Grund für die immer noch nicht erreichte Gleichstellung im Berufsleben nennt Strohmayr die weiterhin problematische Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Bayern. „Nach wie vor gibt es zu wenig Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren. Im Jahr 2007 betrug der Anteil nur etwa 10 Prozent. Auch die Ganztagsschulen müssen dringend ausgebaut werden", stellt die Mutter von zwei Kindern fest. Aber auch nach der Kindergartenzeit wird es nicht besser: Von mehr als 500 000 bayerischen Grundschülern gehen laut Strohmayr gerade einmal zwölf Prozent auf Ganztagsschulen. Demgegenüber steht die steigende Anzahl an Alleinerziehenden, die unter den fehlenden Angeboten besonders zu leiden haben. „Besonders problematisch ist, dass die Gehaltsdifferenz zu männlichen Mitbewerbern insbesondere nach Kindererziehungszeiten erheblich zunimmt", weiß die Landtagsabgeordnete.

Und schließlich setzt sich die Benachteiligung von Frauen im Rentenalter fort: Die durchschnittliche Rente von Frauen beträgt 499 Euro, die der Männer dagegen 955 Euro. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss in Bayern endlich Realität werden", fordert Strohmayr und dringt auf mehr Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren, mehr Ganztagsschulen, bessere Bedingungen für Betriebskindergärten und familienfreundlichere Arbeitszeiten vor allem im öffentlichen Dienst.

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