Fraktionsvize Christa Naaß zum Tag der Heimat 2010: Integration ist auch heute noch ein wichtiges Thema

Portrait Naaß

Donnerstag, 9. September 2010

Christa Naaß, Fraktionsvize und vertriebenenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion erinnert daran, dass vor 60 Jahren der 1. Tag der Heimat in Stuttgart begangen wurde. In diesem Zusammenhang wurde die „Charta der Heimatvertriebenen" unterzeichnet und damit die Selbstverpflichtung der Heimatvertriebenen zu Frieden und Aussöhnung dokumentiert. Dies war laut Naaß ein wichtiger Meilenstein für die gute und friedliche Entwicklung Europas und vor allem für den Integrationswillen der Neubürger.

Damals, im Jahr 1950, waren allein acht Millionen Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten, dem Sudetenland, Ungarn und Rumänien in den westlichen Besatzungszonen angekommen. Weitere vier Millionen Menschen hatten auf dem Gebiet der späteren DDR Zuflucht gesucht. Diese hatten nicht nur, wie so viele Deutsche, Hab und Gut verloren, sondern obendrein ihre Heimat. 1950, erinnert Christa Naaß weiter, lebten noch 49,5 Prozent der Heimatvertriebenen in Lagern und weitere 34,3 Prozent in Notwohnungen. Die Wohnungsnot war groß – Einheimische mussten Vertriebene in ihre Häuser und Wohnungen aufnehmen. Viele hofften immer noch auf eine Rückkehr in die Heimat, deren endgültiger Verlust nicht vorstellbar war.

Diese trostlose Lage hätte der ideale Nährboden für radikale Verirrungen sein können. Die Neubürger erwiesen sich jedoch nicht, so wie es politisch einkalkuliert wurde, als sozialer Sprengstoff, sondern als eine entscheidende Kraft beim deutschen Wiederaufbau und Wiederaufstieg. Der französische Politikwissenschaftler Alfred Grosser hat die Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge als die größte sozial- und wirtschaftspolitische Aufgabe bezeichnet, die von den Deutschen gemeistert worden ist.

„Das was Deutschland vor 60 Jahren in der Lage war zu meistern, muss doch auch jetzt wieder möglich sein", fordert Christa Naaß angesichts der zum Teil sehr unsachlich und undifferenziert geführten Diskussion über fehlende bzw. mangelnde Integration von ausländischen Mitbürgern in Deutschland. Eine kritische Debatte über den Stand der Integration in Deutschland, über erreichte Fortschritte, aber ebenso auch über fortbestehende Probleme und Defizite ist nach Meinung der Abgeordneten sehr wohl erforderlich, aber sie muss in der Sache richtig und im Ton sachlich sein und nicht spaltend und ausgrenzend. „Integration, so hat es die Geschichte gezeigt, ist immer ein Prozess, zu dessen Gelingen die Betroffenen wie die aufnehmende Gesellschaft wechselseitig beitragen müssen", stellt Naaß fest.

Sie erinnert weiter daran, dass alleine im Jahr 2009 die Zahl der Flüchtlinge weltweit 43 Millionen Menschen erreicht hat, mehr als die Hälfte davon sind Flüchtlinge im eigenen Land. „Vertreibung, wie immer sie auch begründet wird und welche Verbrechen auch immer damit gerächt werden sollen", so Naaß, „Vertreibung heißt in jedem Fall: Not und Elend, bis hin zum Tod, Verlust von Hab und Gut, Verlust von Würde, brutales Abschneiden der historischen und kulturellen Wurzeln, Verlust der Heimat".

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