Die CSU sieht für den Tourismus in Bayern "Chancen durch Spitzenqualität". Alles andere als Spitze sind jedoch die Überlegungen, die Erwin Huber und Klaus Stöttner als Tourismusexperten der CSU-Fraktion der Öffentlichkeit vorgestellt haben.
"Worthülsen und Allgemeinplätze helfen dem Tourismus in Bayern nicht weiter", so der tourismuspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Dr. Paul Wengert. Die CSU hat sich mit ihrem heute vorgelegten Papier in weiten Teilen auf die Beschreibung des Ist-Zustandes beschränkt. Es reiche auch nicht aus, eine Qualitätsoffensive und eine Qualifizierungsoffensive einzufordern, ohne aber zu sagen, wie diese Offensiven aussehen sollen.
"Die von der CSU angestrebte Steigerung der Übernachtungen um 10% in 5 Jahren stellt ausschließlich auf quantitatives Wachstum ab. Dieses bedeutet aber noch lange nicht, dass die Attraktivität der Angebote steigt und sich vor allem die Erträge für die Leistungserbringer erhöhen, was für nachhaltige Investitionen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit dringend erforderlich ist", so Dr. Paul Wengert. "Die CSU verschweigt, dass es den Modernisierungsstau nicht nur bei den privaten Anbietern gibt, sondern auch bei Städten und Gemeinden, die angesichts leerer Kassen nicht wissen, wie sie ihre touristischen Einrichtungen von der Touristeninfo über Hallen- und Freibäder bis zum Haus des Gastes sanieren sollen, die zwischenzeitlich in die Jahre gekommen sind. Hier werden wir die bayerische Staatsregierung auffordern, ein entsprechendes Förderprogramm aufzulegen."
Wenn die CSU einen attraktiven Internetauftritt als Muss für jedes Unternehmen bezeichne, dann verschweige sie bewusst, dass sie die Erschließung mit schnellen Datenautobahnen in Bayern vor allem im ländlichen Raum jahrelang verschlafen hat und die notwendigen Kapazitäten Hotels, Gasthöfen und Touristinformationen auf dem Land gar nicht zur Verfügung stehen. Gerade Erwin Huber war es ja, der noch vor zwei Jahren erklärte, der Ausbau des Internets sei ausschließlich Sache der Wirtschaft.
Wenn die CSU die Qualität der Ausbildung lobe, verschweige sie, dass sie erst jetzt auf jahrelange Forderungen der SPD im Bayerischen Landtag reagiert und nun entsprechende Berufsfachschulen auf den Weg gebracht hat. "Kein Wort verliert die CSU aber über die dringend erforderliche Verbesserung der betrieblichen Ausbildung, der besseren Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen sowie die allgemeine Wertschätzung für die Beschäftigten im Tourismus. Ein Kellner in Österreich genießt gerade deshalb eine wesentlich höhere Anerkennung als eine bayerische Bedienung, die diese genauso verdienen würde", so Wengert.
Völlige Fehlanzeige bei der CSU ist die demografische Entwicklung. "Wir werden künftig ältere, aber nicht weniger unternehmungslustige und vor allem zahlungskräftige UrlauberInnen haben und zudem Gäste, die gerade in der Barrierefreiheit ihrer Unterkunft, aber auch der öffentlichen touristischen Einrichtungen ein besonderes Zeichen der Wertschätzung sehen. Ebenso kommt die enorme Wertschöpfungskette im Gesundheitstourismus von der komplizierten Herzoperation über Kuren und Reha-Aufenthalte bis hin zum Wellness- und Beauty-Angebot bei der CSU überhaupt nicht vor", kritisiert der SPD-Tourismusexperte.
Die undifferenzierte Forderung des weiteren Ausbaus von Beschneiungsanlagen zeige, dass die CSU noch nichts vom Klimawandel gehört habe. Überhaupt fehlt bei der CSU jede Aussage zur Umweltverträglichkeit touristischer Entwicklungen, zum Schutz von Natur und Landschaft vor ausbeuterischer touristischer Nutzung und zur Ressourcenschonung. "Dabei hat gerade Bayern aufgrund der natürlichen Gegebenheiten hier ein ungeheures Potential gegenüber den meisten Wettbewerbern, das es zu pflegen und zu nutzen gilt", so Dr. Paul Wengert, der im übrigen das Tourismuskonzept der SPD für den Herbst ankündigt. „Was die CSU für den Tourismus in Bayern bietet, taugt nicht einmal als Pausenfüller dieses Sommers", so Wengert.