Bildungsbericht: Hauptschule wird Restschule

Portrait Pfaffmann

Donnerstag, 12. Juni 2008

Der heute in Berlin vorgelegte Bericht „Bildung in Deutschland 2008" bestätigt nach Auffassung des bildungspolitischen Sprechers Hans-Ulrich Pfaffmann, dass die Attraktivität der Hauptschule immer weiter sinkt. „Der Trend geht auch in Bayern eindeutig zu einer Schule mit mindestens Realschulabschluss. Dies schwächt die Hauptschule ein weiteres Mal und zeigt, dass diese Schule in ihrer bisherigen Form bei den Eltern auf immer stärkere Ablehnung stößt", so Pfaffmann.

Die Eltern wüssten, dass die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, und somit die Zukunftschancen, deutlich schlechter geworden seien. Jahrelange Versäumnisse in der Schulpolitik, schlechte Rahmenbedingungen und das sture Festhalten an längst reformbedürftigen Schulstrukturen sind nach Meinung von Pfaffmann der Grund für den erheblichen Attraktivitätsverlust der Hauptschule. Hinzu komme, dass die Anforderungen an eine Ausbildung, auch in den handwerklichen Berufen, von Hauptschülern immer seltener erfüllt werden. Und bis zu 25 Prozent der Hauptschüler finden keinen Ausbildungsplatz. Das sei Sprengstoff für die Gesellschaft, so Pfaffmann.

„Diese Entwicklung in Bayern ist seit Jahren absehbar und wurde von der Staatsregierung und von der CSU-Mehrheit im Bayerischen Landtag ignoriert. Die von der CSU immer wieder genannte Absicht, die Hauptschule zu stärken, ist Rhetorik ohne spürbare Konsequenzen. Fakt ist, dass 1200 Planstellen gestrichen und 400 Schulstandorte geschlossen wurden. Schönrederei und Arroganz haben diese bedauerliche negative Entwicklung der Hauptschulen gefördert. Die CSU hat den Schülerinnen und Schülern, deren Familien und dem Lehrpersonal einen Bärendienst erwiesen und trägt somit die volle Mitverantwortung am Niedergang der Hauptschule", erklärt der SPD-Bildungssprecher.

Auch bei der Bildungsfinanzierung, die im vorgestellten Bericht kritisiert wird, ist Bayern laut Pfaffmann ein unrühmliches Beispiel: Es räche sich nun bitter, dass die Staatsregierung und die CSU-Mehrheit im Landtag die Schulen als „Sparschwein" genutzt haben. So wurde der prozentuale Anteil für die Schulen am Staatshaushalt ohne Versorungsleistung seit 2004 von damals 17,7 Prozent auf 16,7 im Jahr 2008 zurückgefahren. Hätte die Regierung die Ausgaben für die Schulen, gemessen am Gesamthaushalt, von 2004 bis 2008 mit 17,7 Prozent fortgeschrieben, stünden den Schulen im laufenden Jahr 390 Millionen Euro mehr zur Verfügung. "Die Behauptung also, man würde immer mehr Geld in Bayern in die Schulen investieren, ist falsch", stellt Pfaffmann fest. Er ruft die Wählerinnen und Wähler, die Schülerinnen und Schüler, Lehrer, die Eltern und Großeltern auf, die Landtagswahl 2008 zu einem Volksentscheid für bessere Bildung und Zukunftschancen zu machen. „Die Schüler, Eltern, Großeltern und die Lehrer haben es in der Hand, den Stillstand in der Schulentwicklung zu beseitigen, die Rahmenbedingungen an den Schulen zu verbessern und den Schülerinnen und Schülern eine echte Zukunftsperspektive zu eröffnen", erklärt Pfaffmann. Notwendig sind als Sofortmaßnahmen:

  • Die Investition von einer Milliarde Euro für kleinere Klassen, mehr Lehrpersonal, Schulpsychologen und Schulsozialarbeit, für eine Unterrichtsgarantie und die individuelle Förderung aller Schüler sowie für eine flächendeckende Einrichtung von gebundenen Ganztagsklassen an allen Schularten.
  • Eine längere gemeinsame Schulzeit, um die individuelle Entwicklung der Schüler von Anfang an besser berücksichtigen zu können, die Zulassung von Reformschulen in jeder Region Bayerns.
  • Die Möglichkeit eines Realschulabschlusses (mittlere Reife) der mittleren Reife an jeder weiterführenden Schule neben dem Abitur im Gymnasium.
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