Zur Diskussion um die von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorgestellten Pläne für eine Pflegezeit erklärt die Vorsitzende der bayerischen SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus Angelika Graf, MdB:
„Was die Angehörigen von Pflegebedürftigen brauchen, ist ein bezahlter Pflegeurlaub, um die Pflege ihrer Angehörigen organisieren zu können. Vergleichbare Regelungen gibt es ja bereits für Eltern, deren Kinder erkrankt sind. Einen entsprechenden Vorstoß der SPD-Bundestagsfraktion für einen bezahlten Pflegeurlaub von bis zu 10 Tagen hatten CDU und CSU in der Großen Koalition blockiert. Frau Schröder greift diese Vorschläge leider nicht auf und vergibt damit eine große Chance, die Angehörigen tatsächlich zu entlasten.
Das von Schröder vorgestellte Modell der zweijährigen Pflegezeit hat zahlreiche Mängel und ist erschreckend realitätsfern. Wenn sie für bis zu 4 Jahre auf 25 Prozent des Lohnes verzichten müssen, ist die finanzielle Absicherung der pflegenden Angehörigen nicht gesichert. Dies gilt vor allem, weil pflegende Angehörige meist Frauen in schlecht bezahlten Jobs mit hohem Armutsrisiko sind. Zudem fehlen diese Einkünfte bei der späteren Rente mit entsprechend negativen Folgen. Gibt es dafür einen Ausgleich? Was passiert wenn die pflegenden Teilzeitkräfte nach der Pflege selbst erkranken? Sollen sie das Geld zurückzahlen? Schröders Vorschlag wirft Fragen über Fragen auf, weil er naiv ist und ein fragwürdiges Verständnis von pflegenden Angehörigen und von der Wertigkeit von Pflege offenbart.
Schröders Vorschlag zeigt: Schwarz-Gelb will das Pflegerisiko auf die Angehörigen abwälzen, statt konkrete und nachhaltige Unterstützungsangebote auszubauen.“