Fünf Millionen Euro aus der Staatskasse für den bayerischen Anteil am „Grünen Band" fordert die SPD-Landtagsfraktion zum Nachtragshaushalt 2010. „Das ist ein Geburtstagsgeschenk zu 20 Jahre Grünes Band", erinnert die Bad Kissinger SPD-Landtagsabgeordnete und Umweltpolitikerin Sabine Dittmar an die Deutsche Einheit, die sich am Montag, den 9. November zum 20. Mal jährt: „Wir haben mit dem früheren Todesstreifen entlang der ehemaligen Grenze zur DDR ein einzigartiges und wertvolles Naturjuwel zurückbekommen, das wir nun schützen und bewahren müssen."
Daran muss sich jetzt endlich auch Bayern beteiligen, fordert die Abgeordnete und verweist auf die bisher abgelehnten SPD-Anträge, im Staatshaushalt einen eigenen Titel mit jährlich zwei Millionen Euro pro Jahr einzustellen. Sabine Dittmar: „Zum Geburtstag wollen wir fünf Millionen für das Grüne Band im anstehenden bayerischen Nachtragshaushalt 2010 einstellen, um damit die dringend notwendigen Schutz- und Sicherungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen voranzubringen."
„Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört." Dieses Wort von Willy Brandt zur Deutschen Einheit gilt für die Menschen, aber auch für die Natur: Aus dem unmenschlichen Todesstreifen ist ein einzigartiges länderübergreifendes Biotopsystem von fast 1400 Kilometer Länge geworden. Die 30-jährige Atempause für die Natur ließ den Grenzstreifen zu einem wichtigen Lebensraum für viele seltene Pflanzen und Tiere werden. Hier entstanden einzigartige Busch- und Waldparadiese, Sümpfe und Heiden mit der für sie typischen Pflanzen- und Tierwelt. „Aber dieses Geschenk ist in Gefahr. Straßen, Siedlungen und Gewerbeparks sowie die vordringende Landwirtschaft drohen die unverbauten Flächen am Grünen Band zu zerstören. Der wirtschaftlichen Nutzung sind bereits 15 Prozent der ursprünglichen Flächen zum Opfer gefallen", zieht Sabine Dittmar aktuelle Bilanz. So hervorragend sich die Naturschutzorganisationen wie der Bund Naturschutz in Bayern und sein bundesdeutscher Dachverband BUND sich hier einsetzen, sie brauchen Unterstützung. „Hier darf sich Bayern nicht verschließen", fordert Sabine Dittmar, deren Heimatlandkreis Bad Kissingen unmittelbar vom Projekt „Hildburghausen" tangiert ist. Im gleichnamigen Thüringer Nachbarlandkreis finden sich artenreiche Trockenstandorte und gut erhaltene Mittelwälder. Dort im Thüringer Grabfeld sind noch einige Hundert Wanstschrecken, besonders große Heuschrecken, zu Hause.
Das zweite Projekt an der bayerischen Grenze liegt in Südthüringen, wo der ehemalige Grenzstreifen das Steinachtal, die Linder Ebene und den Thanner Grund durchzieht. Im Grünen Band finden sich noch ausgedehnte Sümpfe, Moorflächen und Feuchtwiesen, wie sie früher das Steinachtal und die Linder Ebene zwischen Mitwitz, Neustadt und Sonneberg prägten. Teiche, Tümpel und Feuchtwiesen, naturnahe Fluss- und Auenlandschaften sind Heimat für zahlreiche Arten der Roten Liste wie Flussregenpfeifer, Laubfrosch, Südliche Binsenjungfer und Sumpfschnecke. In und an den Teichen leben gefährdete Amphibien wie Kammmolch und Kreuzkröte.
Rund 410 Hektar hat beispielsweise der BUND am Grünen Band bereits in seine Obhut nehmen können, um den Lebensraum von über 600 bedrohten Tier- und Pflanzenarten zu schützen. In der entstandenen „Wildnis" des Grünen Bandes reihen sich mit Altgrasfluren, Niedermooren und Auenwäldern wertvolle Lebensräume aneinander. Hier finden sich bedrohte Tiere und Pflanzen wie Schwarzstorch und Fischotter oder der Frauenschuh, eine seltene Orchideenart.
Was das Grüne Band so besonders wertvoll macht, ist die enge Verzahnung der verschiedenen Biotope. 150 Naturschutzgebiete liegen im Grünen Band oder grenzen an. An anderen Orten muss mit erheblichem Aufwand um Ackerrandstreifen, Hecke oder Waldsaum gerungen werden. Hier muss „nur" geschützt werden, was schon vorhanden ist.