Josef-Felder-Preis für die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis“

18. Juli 2013 | Rechtsextremismus

„Eine Initiative, die nicht nur bundesweit Schlagzeilen machte, sondern in vielen deutschen Städten "Nachahmer" fand. Diesen Menschen gebührt höchste Anerkennung, mein voller Respekt und meine Hochachtung!“ Mit diesen Worten begründete der Regensburger Bürgermeister Joachim Wolbergs am 18. Juli in seiner Laudatio die Verleihung des Josef-Felder-Preises der BayernSPD an die Regensburger Initiative „Keine Bedienung für Nazis – Regensburger Gastronomen zeigen Zivilcourage“. Viel zu oft sei in der Vergangenheit – in der Nazizeit, aber auch in der jüngeren Geschichte – weg geschaut worden, wenn Menschen aus rassistischen Gründen verfolgt und unterdrückt wurden.

Vor den Vertreterinnen und Vertretern der Initiative, des DGB, der Jüdischen Gemeinde Regensburg, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) und vieler anderen Gäste im Saal des Lokals „Leerer Beutel“ betonte Natascha Kohnen, Generalsekretärin der BayernSPD, das Engagement der Regensburger Wirte-Initiative: Gegründet wurde diese Initiative nach einem Überfall 2010 auf ein Regensburger Café. Ein Barkeeper wurde von Nazis niedergeschlagen und die Einrichtung demoliert. Zwei Wochen vorher hatte sich dieser Barkeeper couragiert vor eine farbige Mutter mit ihrem Kind gestellt, die von einigen aus dieser Angreifergruppe rassistisch beleidigt wurde. Der Barkeeper konnte bei dem Überfall in einen Imbissladen fliehen, die Nazis starteten eine Hetzjagd gegen ihn und schlugen die Tür des Imbissladens kaputt. In einem anderen Lokal der Innenstadt bedrohten sie das Personal, weil sie aufgefordert wurden, das Haus zu verlassen. Außerdem schlugen sie auf ein fahrendes Auto ein, bedrohten den Fahrer und bespuckten und beleidigten die Gäste im Freisitzbereich mehrerer Lokale. Dass dieser Angriff keine Einzelfall, keine Ausnahme war, zeigen viele weitere rassistisch motivierte Taten, zeigen die zehn Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“.

Juba Akili schilderte als Vertreter der Wirte-Initiative die Diskussionen, die der Gründung der Initiative vorangingen, der inzwischen ca. 160 Gastronomen aus Regensburg angehören. Inzwischen wurde eine Informationsbroschüre erstellt, die Antworten gibt auf viele Fragen: Woran erkennt man Nazis? Was kann ich als Gastronomiebetreiber tun, um ungewollten Einmietungen von Rechten entgegenzuwirken, ohne mich schadensersatzpflichtig zu machen? Wie soll sich mein Personal und ich mich verhalten, wenn bereits Rechtsextreme in mein Lokal eingedrungen sind? Und er wies darauf hin, dass diese Regensburger Initiative inzwischen Vorbild für ähnliche Aktionen in einer Reihe von bayerischen Städten geworden ist.

Joachim Wolbergs ging in seiner Rede auch ausführlich auf das Leben von Josef Felder ein, einem SPD-Reichstagsabgeordneten, der zu den 94 Abgeordneten gehörte, die unter Lebensgefahr am 23. März 1933 als einzige gegen das „Ermächtigungsgesetz“ Hitlers stimmten. Josef Felder, der später von den Nazis in das KZ Dachau gesperrt wurde, schrieb zu den damaligen Ereignissen: „ Es war nicht so, dass wir Helden waren. Aber wir waren uns klar darüber, dass wir den Parlamentarismus zu verteidigen haben, was auch komme, bis zuletzt. Und deshalb stimmten wir mit ‚Nein’“.

Gerade aus der Vergangenheit, aus den Erfahrungen der zwölf Jahre Nazi-Diktatur mit ihrer rassistisch motivierten Verfolgung der Juden, haben wir auch heute noch eine Verantwortung zu tragen - und dafür steht auch der Josef-Felder-Preis. „Alle Menschen, die in unserer Stadt leben, genießen unseren Schutz. Insbesondere unsere jüdische Gemeinde, die erfreulicherweise stetig wächst. Es ist unsere Pflicht und Aufgabe als Stadt, ihr ein neues jüdisches Gemeindezentrum zu bauen. Wir haben es ihr genommen! Deshalb sind wir als Stadt in der Pflicht!“ so Bürgermeister Joachim Wolbergs.

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